Ferdinand Solère – in französischen Quellen mit vollem Namen Ferdinand-Simon (Antoine) Solère, in mehreren Publikationen auch als Fernand Solère geführt – war ein französischer Erfinder, Industriedesigner und Leuchtenhersteller mit Sitz in Paris. Die im Fachhandel dokumentierten Lebensdaten weisen auf einen Geburt gegen 1894 und einen Tod um 1961 hin. Solère baute sein Atelier und seine Manufaktur in der Rue Fontaine au Roi 29 im 11. Pariser Arrondissement auf und betrieb sein Unternehmen unter dem Firmennamen „Metallectro".
Neben seiner Tätigkeit als Konstrukteur wirkte Solère als Dozent für Industriedesign an der École nationale supérieure des arts décoratifs (ENSAD, „Arts Décoratifs") in Paris und prägte in dieser Rolle eine ganze Generation französischer Gestalter der Nachkriegsmoderne.
Ferdinand Solère gilt in der französischen Fachliteratur als einer der produktivsten
Erfinder-Designer des 20. Jahrhunderts: Zwischen 1927 und 1979 wurden ihm 37 Patente erteilt, die neben Leuchten unter anderem Aschenbecher, Ordner-Systeme, Bürogerätschaften und eine Kaffeemühle umfassen. Der Beginn seiner leuchtenspezifischen Karriere lässt sich mit dem ersten Beleuchtungspatent aus dem Jahr 1952 datieren, das eine Kugelgelenk-Konstruktion mit Gegengewicht schützte. Ab Anfang der 1950er Jahre entwickelte Solère in Paris eine Serie leichter, handlicher Arbeits- und Werkstattleuchten, die vor allem für Architektinnen und Architekten, Ateliers, Krankenhäuser und die Industrie bestimmt waren. Der eigentliche Durchbruch seiner Formensprache erfolgte 1965 mit dem patentierten Kniegelenk-System (französisches Patent Nr. 1.175.781), das eine weiche,präzise Einstellung des Leuchtenkopfes ermöglichte und zum konstruktiven Markenzeichen aller späteren Solère-Leuchten wurde. Ab 1965 wurden sämtliche Leuchtenanschlüsse und Gelenke im
Programm mit diesem Verfahren neu überarbeitet. Neben der eigenen Manufaktur arbeitete Solère mit zwei der wichtigsten französischen Manufakturen zusammen: der Manufacture nationale de Sèvres (Porzellan) und der Cristalleries de Baccarat (Kristall). Seine Objekte wurden auf internationalen Kunst- und Designmessen gezeigt.
Solères Werkschwerpunkt lag auf sachlich-industriellen Arbeitsleuchten und Ateliertypen, die demfunktionalistischen Anspruch der französischen Nachkriegsmoderne folgen. Charakteristisch ist die konsequente Materialkombination aus einem drehbaren Reflektor und Kniegelenken aus Aluminium, Armrohren aus Stahl, einem tropfenförmigen („goutte d'eau") Messingschalter und einem massiven Stahltellerfuß. Alle Bauteile tragen den Stempel „SOL-R" (auch als „SOLR" beobachtet).
Die Leuchtenreihen der Manufaktur wurden unter mehreren Handelsnamen vertrieben: Die
eigentlichen Leuchten trugen die Marke „Soléclair"; der patentierte Diffusor-Sieb wurde als
„SolerSol" vermarktet. Das Herstellerkürzel „Metallectro" erscheint auf Firmenschildern und
Katalogen.
die Werkstatt- und Ateliertischleuchte SOL-R Modell 203 (dokumentiert u. a. auf der französischen Fachplattform Label-Industrie); der industrielle Schreibtischtyp „SOLR" (in verschiedenen Ausführungen mit rotierendem Arm und Reflektor); die Bodenleuchte „Solère 1950s" (industrielle Ausführung mit hohem Stahlfuß); sowie mehrere weitere
Tisch- und Wandvarianten für Architektenbüros. Die Modellreihen wurden zwischen 1950 und den späten 1970er Jahren produziert.
Solères Leuchten stehen in der Tradition des französischen Industriedesigns der Nachkriegsjahre und sind stilistisch mit dem sachlich-funktionalen „French Industrial Style" der 1950er und 1960er Jahre eng verwandt. Ihre werkstattnahe, konstruktive Ästhetik verbindet sie mit Positionen wie Jean Prouvé, Charlotte Perriand und dem Ateliertyp der Pariser Design-Moderne. Im internationalen Vintage-Handel werden sie unter „French Industrial", „Mid-Century Modern",„Machine Age" und „Atelier-Lampe" geführt.
Solère-Leuchten werden regelmäßig auf internationalen Vintage-Design- und Auktionsplattformen gehandelt, u. a. auf 1stDibs, Pamono, Whoppah, Catawiki, Vntg, Design Market, Etsy, Gascony Design, Mister Parker, Oviry, Amarcord, Chez les Voisins und Galerie 20–21e (Granville). Die Handelsdatenbank Artprice führt Solère als eigenständigen Künstler; der französische Fachhandel dokumentiert seine Objekte in mehreren Blogeinträgen und Fachartikeln (u. a.lesnouveauxensembliers.fr, label-industrie.fr, autrefois-la-lumiere.blogspot.com).
Name: Ferdinand-Simon (Antoine) Solère (in einigen Quellen: Fernand Solère)
Geboren: ca. 1894, Frankreich
Gestorben: um 1961
Ort und Atelier: Paris, Rue Fontaine au Roi 29 (11. Arrondissement)
Firma / Marken: Metallectro (Firmenname); Soléclair (Leuchtenmarke); SolerSol (patentierter
Diffusor-Sieb); SOL-R / SOLR (Bauteilstempel)
Tätigkeit: Erfinder, Industriedesigner, Leuchtenhersteller; Dozent für Industriedesign an der École nationale supérieure des arts décoratifs (ENSAD, Paris)
Patente: 37 Patente zwischen 1927 und 1979 (Leuchten, Aschenbecher, Ordner, Kaffeemühle u.
a.); erstes Leuchtenpatent 1952 (Kugelgelenk mit Gegengewicht); patentiertes Kniegelenk-System 1965 (Patent Nr. 1.175.781)
Partnermanufakturen: Manufacture nationale de Sèvres (Porzellan); Cristalleries de Baccarat
(Kristall)
Materialien Leuchten: Aluminium (Reflektor, Kniegelenke), Stahl (Armrohre, Bodenteller), Messing (Schalter, „goutte d'eau"), Edelstahl, Gusseisen
Ikonische Modelle: SOL-R Modell 203 (Ateliertischleuchte); SOLR-Schreibtischleuchte mit
drehbarem Arm; Bodenleuchte 1950er Jahre; Werkstattleuchten der Serien Soléclair
Stilrichtung: French Industrial, Mid-Century Modern, Machine Age, Atelier-Design
Französischsprachige Quellen (Primärquellen)
· Les Nouveaux Ensembliers – „À la Découverte des Lampes de Fernand Solère": ausführlicher
französischer Fachbeitrag zu Leben, Werk, Patenten und Firmennamen (Metallectro, Soléclair,
SolerSol) – https://www.lesnouveauxensembliers.fr/blog/la-brocante/fernand-solere/
· Label-Industrie – „Histoire de la lampe Solère dite SolR": Modellhistorie mit Angaben zu Patent
1.175.781 (1965) und Modell 203 – https://www.label-industrie.fr/histoire-lampe-solere-dite-solr/
· Autrefois la lumière (Blog) – „Lampe architecte Solr modèle 203": Detailbeschreibung der
Ateliertischleuchte Modell 203 –
https://autrefois-la-lumiere.blogspot.com/2017/04/lampe-architecte-solr-modele-203.html
· Galerie 20–21e (Granville) – Ferdinand Solère: französische Galerie mit Werksbelegen –
https://www.galerie-2021-granville.com/ferdinand-solere
· Artprice – Ferdinand Solère (XX): Auktionsdatenbank mit Preisen und Losverzeichnis –
https://fr.artprice.com/artiste/560512/ferdinand-solere
· Oviry – „Lampe d'atelier SOL-R du designer Ferdinand Solère, 1965": Fachhändler mit Datierung und
Modellbeleg – https://www.oviry.fr/produit/lampe-datelier-sol-r-ferdinand-solere-1965/
· Gascony Design – „Lampe Ferdinand SOLERE, 1965" –
https://www.gascony-design.fr/vintage/lampe-ferdinand-solere-1965/
· Chez les Voisins – „Lampe vintage Ferdinand Solère" –
https://www.chezlesvoisins.fr/boutique/lampe-ferdinand-solere-vintage/
· Design Market – „Ferdinand SOLERE" (Sammelseite mit Objektangaben) –
https://www.design-market.fr/124_solere
· Catawiki (FR) – „Ferdinand Solère – Industrial vintage lamp marked Solaire Paris" –
https://www.catawiki.com/fr/l/15341923-ferdinand-solere-industrial-vintage-lamp-marked-solaire-paris
· Mobilier Design Occasion – Designerseite „Ferdinand Solère" –
https://www.mobilier-design-occasion.fr/designer/ferdinand-solere-.html
Englischsprachige Quellen
· 1stDibs – „Ferdinand Solère Rare Desk Lamp with Rotating Arm, France 1950s": Modellbeschreibung
und Datierung – https://www.1stdibs.com/furniture/lighting/table-lamps/ferdinand-solere-rare-desk-lamp
-rotating-arm-france-1950s/id-f_40048282/
· 1stDibs – „1950's Ferdinand Solère Floor Lamp": Bodenleuchte 1950er Jahre –
https://www.1stdibs.com/furniture/lighting/floor-lamps/1950s-ferdinand-solere-floor-lamp/id-f_28434162/
· 1stDibs – Übersicht „Ferdinand Solere Lighting" –
https://www.1stdibs.com/creators/ferdinand-solere/furniture/lighting/
· Whoppah – Designerseite „Ferdinand SOLERE" – https://www.whoppah.com/designers/solere
· Vntg – „Ferdinand Solère – 7 vintage design items" –
https://www.vntg.com/designer/ferdinand-sol%C3%A8re/
· Amarcord Store – „Ferdinand Solere (SOLR) flexo lamp" –
https://www.amarcord-store.com/en/ferdinand-solere-solr-flexo-lamp
· Mister Parker – „Industrial desk lamp by Ferdinand Solère, Paris 1950" –
https://www.misterparker.eu/product-page/industrial-desk-lamp-by-ferdinand-solere-paris-1950
· Design-Market.us – „Vintage architect lamp by Ferdinand Solère 1965" –
https://www.design-market.us/145433-vintage-architect-lamp-by-ferdinand-solere-1965.html
· Etsy – „SOL-R Workshop Lamp from 1965 Ferdinand Solère Paris" –
https://www.etsy.com/listing/1225498670/sol-r-workshop-lamp-from-1965-ferdinand
Deutschsprachige Quellen
· Pamono.de – Designerseite „Ferdinand Solère": Fachhandelsprofil mit Objekt- und
Datierungsangaben – https://www.pamono.fr/designers/ferdinand-solere
· Vntg – Designerseite mit deutschsprachigen Objektbeschreibungen (Ateliertisch- und Bodenleuchten)
– https://www.vntg.com/designer/ferdinand-sol%C3%A8re/
Weitere Fremdsprachen (Fund- und Nichtfundmeldungen)
· Italienisch (IT) – 1stDibs Italia führt einzelne Solère-Leuchten in italienischsprachiger Beschreibung;
eigenständige italienische Sachtexte oder Monografien wurden nicht gefunden.
· Niederländisch (NL) – Whoppah und Catawiki NL listen einzelne Solère-Objekte, jedoch ohne
eigenständige niederländische Sachtexte über die englischen bzw. französischen Fundstellen hinaus.
· Spanisch (ES) / Portugiesisch (PT) – gezielte Suchen zu „Ferdinand Solère lámpara" bzw. „candeeiro
Ferdinand Solère" haben keine eigenständigen spanisch- oder portugiesischsprachigen Sachtexte oder
Fachbeschreibungen ergeben; Fundstellen verlinken auf die französischen bzw. englischen
Originalquellen.
Hinweis: Die genannten Fakten sind aus öffentlich zugänglichen Fachhandels-, Auktions- und Blogquellen
zusammengetragen. Maßgeblich sind die französischen Primärquellen Les Nouveaux Ensembliers,
Label-Industrie und Autrefois la lumière sowie die internationalen Fachhandelsplattformen 1stDibs, Pamono,
Whoppah, Vntg und Catawiki. Lebensdaten und Patentzuordnungen beruhen auf diesen Sekundärquellen;
eine biografische Monografie zu Ferdinand Solère ist bisher nicht bekannt.