Die Ingo Maurer GmbH ist ein Münchner Designstudio und eine Manufaktur für Leuchten, Lichtsysteme und Lichtinstallationen. Sie geht auf die 1966 in München von Ingo Maurer gegründete Firma „Design M“ zurück, die später in „Ingo Maurer GmbH“ umbenannt wurde (Handelsregistereintrag „Design M – Ingo Maurer GmbH“ 1973). Firmensitz und Hauptshowroom liegen seit 1970 unverändert in der Kaiserstraße 47 in München-Schwabing; 2005 wurde die Serienproduktion in ein zweites Werk am Münchner Stadtrand verlagert, während in der ehemaligen Werkshalle in der Kaiserstraße ein großer Showroom entstand – der einzige eigene Showroom des Unternehmens in Europa.
Ingo Maurer versteht sich seit den 1960er Jahren als Autoren-Manufaktur: Der überwiegende Teil der Leuchten wird von Hand im eigenen Haus in München entwickelt, gefertigt und weltweit vertrieben. Das Unternehmen beschreibt sich selbst mit der Formel „handmade in Munich for over 50 years“ und beschäftigt heute mehr als sechzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben dem klassischen Katalogprogramm ist die Ingo Maurer GmbH auf öffentliche und private Lichtinstallationen spezialisiert – von Modenschauen und Museumsausstellungen bis zu U-Bahn-Stationen, Hotels und Firmensitzen.
Nach dem Tod des Gründers Ingo Maurer am 21. Oktober 2019 in München wird die Firma vom bestehenden Team fortgeführt. Die künstlerische und produktseitige Weiterentwicklung liegt maßgeblich bei Axel Schmid, der seit 1998 zum Kernteam gehört und heute den Bereich Produkt- und Projektdesign leitet.
Die Handschrift des Hauses ist untrennbar mit der Person des Gründers Ingo Maurer verbunden, wurde jedoch von Beginn an durch ein festes internes Team sowie durch punktuelle Kooperationen mit externen Gestaltern erweitert. In der offiziellen Monografie „Designing with Light“ (Prestel 2008) werden folgende Personen besonders hervorgehoben:
Ingo Maurer (12. Mai 1932 Reichenau am Bodensee – 21. Oktober 2019 München): Sohn eines Fischers, Ausbildung als Typograf in Konstanz und in der Schweiz, Grafikstudium von 1954 bis 1958 in München. 1960 Emigration in die USA, dort Arbeit als freier Designer in New York City und San Francisco. 1963 Rückkehr nach Europa. 1966 Gründung von „Design M“ in München. Seine erste Lampe „Bulb“ (1966) wird schon nach kurzer Zeit in die Designsammlung des Museum of Modern Art (MoMA), New York, aufgenommen. Ingo Maurer gilt international als „poet of light“ / „Poet des Lichts“ und als einer der wichtigsten Lichtgestalter der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
laut Monografie „sicher die wichtigste Person nach Ingo selbst in der Firma“. Mitarbeiterin der Firma seit 1969, seit über 25 Jahren an Ingos Seite, seit 1995 seine Ehefrau; über viele Jahre Geschäftsführerin der Ingo Maurer GmbH und damit maßgeblich verantwortlich für die kaufmännische und organisatorische Entwicklung des Studios. Ingo Maurer selbst hat sie in Anspielung auf ihr Wirken im Hintergrund als „Graue Eminenz“ der Firma bezeichnet; das im Buch beschriebene „Wir-Gefühl“ der Kaiserstraße geht wesentlich auf ihre Rolle zurück.
Bernhard Dessecker (geboren 1961 in München): Innenarchitekt, freier Architekt und Designer. Nach dem Studium der Innenarchitektur zwischen 1983 und 1984 als Innenarchitekt in New York tätig, ab 1984 als freischaffender Innenarchitekt und Designer. Beginn der Zusammenarbeit mit Ingo Maurer 1988; seither zahlreiche eigene Entwürfe für die Ingo Maurer Leuchtenkollektion, zwischen 1994 und 1997 unter anderem die Leuchtenkollektion „Luzon“ für die Alteco GmbH. Ab 1997 zusätzlich Lehraufträge, Workshops und Vorträge für Lichtgestaltung; Herausgeber der Prestel-Monografie „Ingo Maurer – Designing with Light“ (2008).
Produktdesigner, verantwortlich für zahlreiche Serienleuchten der Marke, u.a. „Koyoo“ (LED-Tischleuchte mit Batterie) und weitere jüngere LED-Objekte. Schmid führt seit dem Tod des Gründers gemeinsam mit dem Team die gestalterische Handschrift Ingo Maurers weiter.
Weitere Kernmitarbeiter des Buches sind Frank Koschembar (geb. 1960 Reken, Studium in Kassel und Amsterdam, Gestalter/Fotograf, verantwortlich für Design und Layout der Monografie und langjähriger Bildgestalter des Hauses) und Kirsten Wengmann (geb. 1963 Dortmund, Kunsthistorikerin und Kulturprojektmanagerin, Konzept und Redaktion der Monografie). Über gastweise Kooperationen und Sonderprojekte ist eine internationale Liste namhafter Design- und Architekturpersönlichkeiten mit dem Haus verbunden – dokumentiert u.a. durch das von Ingo Maurer 2000 herausgegebene „International Design Yearbook“ mit Beiträgen von Philippe Starck, Ron Arad, Mario Bellini und Jasper Morrison. Mit Ron Arad entstand 2008 das gemeinsame Lichtobjekt „aR ingo“; die Monografie enthält außerdem persönliche Beiträge von Paola Antonelli (MoMA), Alessandro Mendini, Issey Miyake, Kim Hastreiter, Markus Allmann, Diane Hennebert, Chantal Hamaide, Thomas Edelmann, Christian Gärtner, Lisa Zeitz, Holger Schnitgerhans und dem Studio MORSA (Donato Savoie & Antonio Morello, New York).
1932 – Geburt Ingo Maurers
Am 12. Mai 1932 wird Ingo Maurer auf der Insel Reichenau am Bodensee geboren. Er wächst als Sohn eines Fischers mit vier Geschwistern auf der Insel auf.
1940er Jahre – Ausbildung als Typograf
Ingo Maurer absolviert eine Ausbildung als Typograf in Konstanz und in der Schweiz. Damit legt er die grafisch-typografisch geprägte, konzeptuelle Grundlage seines späteren Werkes.
1954–1958 – Grafikstudium in München
Ingo Maurer studiert von 1954 bis 1958 Gebrauchsgrafik in München (autorisierte biografische Angabe aus der Monografie „Designing with Light“, 2008).
1960–1963 – USA-Aufenthalt und Grafikdesign
Ingo Maurer emigriert 1960 in die USA und arbeitet in New York City und San Francisco als freier Designer.
1963 – Rückkehr nach Europa
1963 kehrt Ingo Maurer aus den USA nach Europa zurück.
1966 – Gründung „Design M“ in München und Ikone „Bulb“
1966 gründet Ingo Maurer in München die Firma „Design M“ zur Entwicklung und Produktion eigener Leuchten. Im gleichen Jahr entsteht die Tischleuchte „Bulb“ – eine übergroße, mundgeblasene Kristallglashülle über einer kleinen verchromten Glühbirne. „Bulb“ bricht mit der traditionellen Aufteilung in Fuß, Schaft und Schirm und wird zur Signatur des Hauses; laut autorisierter Biografie wird die Leuchte „schon nach kurzer Zeit“ in die Designsammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York aufgenommen. Späterer Handelsregistereintrag „Design M – Ingo Maurer GmbH“ 1973.
1969 – Eintritt Jenny Laus in die Firma
1969 tritt Jenny Lau in die Firma ein und wird über die folgenden Jahrzehnte zur zentralen Vertrauensperson und späteren Geschäftsführerin.
1970 – Umzug in die Kaiserstraße 47, München-Schwabing
Die Firma bezieht ihren bis heute gültigen Sitz in der Kaiserstraße 47 in München-Schwabing. Von hier aus werden Entwicklung, Manufaktur, Projekte und Vertrieb der Marke koordiniert; das Buchkapitel „Kaiserstraße 47“ (Jenny Lau) beschreibt das Haus als „Labyrinth“ mit gewachsenem Wir-Gefühl.
1984 – Niedervolt-Seilsystem „YaYaHo“
Ingo Maurer präsentiert das Niedervolt-Halogen-Seilsystem „YaYaHo“, eines der ersten Systeme dieser Bauart weltweit. Frei justierbare Halogenreflektor-Leuchten hängen zwischen zwei horizontal gespannten Metallseilen. „YaYaHo“ wird zum internationalen Durchbruch und ist Grundlage zahlreicher Sonderinstallationen, u.a. im Centre Georges Pompidou in Paris, in der Villa Medici in Rom und im Institut Français d'Architecture in Paris.
1986 – Chevalier des Arts et des Lettres
Ingo Maurer wird vom französischen Kulturminister zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannt. Im gleichen Jahr entwickelt er eine spezielle Lichtinszenierung für die Ausstellung „Design à la Villa Medici“ in Rom.
1988 – Beginn der Zusammenarbeit mit Bernhard Dessecker
Der Innenarchitekt und Designer Bernhard Dessecker beginnt seine bis heute prägende Zusammenarbeit mit Ingo Maurer und liefert seither zahlreiche eigene Entwürfe für die Leuchtenkollektion; zeitgleich Beteiligung an der Ausstellung „Design heute. Maßstäbe: Formgebung zwischen Industrie und Kunst-Stück“ im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt.
1989 – „Lucellino“ und Ausstellung Fondation Cartier
Mit „Lucellino“ entwirft Ingo Maurer eine geflügelte Glühbirne mit handgesetzten Gänsefedern – bis heute eines der bekanntesten Bilder der Marke. Im gleichen Jahr organisiert die Fondation Cartier pour l'Art Contemporain in Jouy-en-Josas bei Paris die Ausstellung „Ingo Maurer: Lumière Hasard Réflexion“. Erstmals entwickelt Maurer für eine Ausstellung Objekte und Installationen, die nicht für die Serienproduktion bestimmt sind – der Beginn eines konsequent künstlerisch-installativen Œuvres neben dem Katalogprogramm.
1991 – „Münchner Räume“, Stadtmuseum München
Ingo Maurer ist an der Ausstellung „Münchner Räume“ im Münchner Stadtmuseum beteiligt.
1992 – „Ingo Maurer: Arbeiten mit Licht“, Museum Villa Stuck, München
Das Museum Villa Stuck in München widmet Ingo Maurer die Einzelausstellung „Ingo Maurer: Arbeiten mit Licht“ – laut Monografie die erste in einer langen Reihe internationaler Museumsausstellungen zu seinem Werk.
1993 – „Licht licht“, Stedelijk Museum, Amsterdam
Einzelausstellung „Licht licht“ im Stedelijk Museum in Amsterdam.
1994 – „Porca Miseria!“ – die Explosion aus Porzellan; „Identità e differenze“ Triennale Mailand
Der Kronleuchter „Porca Miseria!“ – eine im Raum stehende „Explosion“ aus zersplittertem Porzellan und Besteckfragmenten – wird zum Signaturobjekt der 1990er Jahre und gehört später zur Sammlung des Museum of Modern Art, New York. Beteiligung an der Ausstellung „Identità e differenze. I racconti dell'abitare“ der Triennale Mailand sowie an „Wohnkultur“ im Münchner Stadtmuseum. Parallel entwickelt Bernhard Dessecker zwischen 1994 und 1997 die Leuchtenkollektion „Luzon“ für die Alteco GmbH.
1995 – „Les Archives du Monde du Travail“, Roubaix
Lichtgestaltung für die Archives du Monde du Travail im französischen Roubaix.
1996 – „Bellissima Brutta“; Vos Furniture Store, Groningen
1996 entsteht das erste LED-Lichtobjekt der Marke, „Bellissima Brutta“; im selben Jahr Lichtgestaltung für den Vos Furniture Store in Groningen, Niederlande.
1997 – „Zettel'z“ – der Nutzer als Co-Autor; „Magister Theodoricus“ Prag
Mit der Pendelleuchte „Zettel'z“ (u.a. „Zettel'z 5“) überträgt Ingo Maurer die Bühne der Leuchte in die Hand der Nutzerinnen und Nutzer: An dünnen Edelstahldrähten hängen bedruckte und leere Papierblätter, die individuell beschrieben und bebildert werden können. „Zettel'z“ wird zu einem der weltweit meistverkauften Autorenkronleuchter Ingo Maurers und ist ebenfalls Teil der MoMA-Sammlung. Im gleichen Jahr Lichtgestaltung der Ausstellung „Magister Theodoricus“ in Prag.
1998 – „Projects 66“, MoMA New York (mit Fernando und Humberto Campana); Westfriedhof München; Auszeichnung „Designer des Jahres 1997“
Einzelausstellung „Projects 66“ im Museum of Modern Art in New York – gemeinsam kuratiert mit den brasilianischen Brüdern Fernando und Humberto Campana. Ebenfalls 1998 verwandelt Ingo Maurer die Münchner U-Bahn-Station Westfriedhof mit elf innen farbig gefassten, rund vier Meter hohen Aluminium-Kuppelleuchten in einen unterirdischen Farb- und Lichtraum. Die Zeitschrift „Architektur & Wohnen“ wählt Ingo Maurer zum „Designer des Jahres 1997“; zusätzlich fünf Lichtskulpturen in der Rue Marché-aux-Herbes vor dem Palais Grand-Ducal in Luxemburg.
1999 – Designpreis der Stadt München
Ingo Maurer erhält den Designpreis der Stadt München.
2000 – „International Design Yearbook“, Passage Hamburger Hof, SWB-Energie-Café; Lucky Strike Designer Award
Ingo Maurer ist Herausgeber des „International Design Yearbook 2000“ (Laurence King Publishing, London) mit Beiträgen von Philippe Starck, Ron Arad, Mario Bellini und Jasper Morrison. Lichtgestaltung für die Passage Hamburger Hof in Hamburg und das SWB-Energie-Café in Bremen. Auszeichnung mit dem Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy Foundation.
2001 – Barcelona: „Passió per la Llum“ und „Primavera del Disseny“; „EL.E.Dee“; Lichtobjekte Privathaus Hongkong
Einzelausstellung „Ingo Maurer: Passió per la Llum“ im Museum Santa Mònica in Barcelona; Auszeichnung „Primavera del Disseny 2000“ der Stadt Barcelona. Präsentation der LED-Tischleuchte „EL.E.Dee“. Mehrere Lichtobjekte für ein Privathaus in Hongkong.
2002 – „ephemer visionär“, Frankfurt; Chanel „Rêves des Diamantes“; Knokke-Heist; Philadelphia Design Excellence Award
Einzelausstellung „ephemer visionär Ingo Maurer: Licht“ im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Lichtgestaltung der Chanel-Ausstellung „Rêves des Diamantes“ in New York und Paris sowie Lichtobjekte für das Kulturzentrum Knokke-Heist (Belgien). Auszeichnung mit dem Collab's Design Excellence Award des Philadelphia Museum of Art.
2002–2007 – „Ingo Maurer – Light – Reaching for the Moon“, internationale Wanderausstellung
Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein realisiert die erste große monografische Wanderausstellung „Ingo Maurer – Light – Reaching for the Moon“ mit weiteren Stationen u.a. in La Grand-Hornu (Belgien), Tokyo Opera City Art Gallery und Suntory Museum Osaka.
2003 – Georg Jensen Prize, Oribe Award; Hotel Urthaler, Seiser Alm
Auszeichnung mit dem Georg Jensen Prize 2002 (Kopenhagen) und dem The Fourth Oribe Award der Design Academy Division, Gifu, Japan. Lichtgestaltung für das Hotel Urthaler in Südtirol/Seiser Alm.
2003–2005 – Kruisherenhotel Maastricht
Für das Kruisherenhotel im ehemaligen Kreuzherrenkloster in Maastricht entwickelt Ingo Maurer den Eingangsbereich und ein durchgehendes Lichtkonzept mit eigens entworfenen Objekten.
2004 – „Brilliant“, V&A London; „Iluminar Design Da Luz 1920–2004“, São Paulo
Beteiligung an „Brilliant“ im Victoria & Albert Museum in London sowie an „Iluminar Design Da Luz 1920–2004“ im Museu de Arte Brasileira da Fundação Armando Alvares Penteado in São Paulo.
2005 – Auslagerung der Produktion; Royal Designer for Industry, RSA London
Auslagerung der Serienproduktion vom Stammsitz Kaiserstraße 47 auf einen zweiten Standort am Münchner Stadtrand; Umbau der ehemaligen Produktionshalle in den europäischen Showroom. Auszeichnung mit dem Ehrentitel „Royal Designer for Industry“ (Hon RDI) der Royal Society of Arts, London.
2006 – Atomium Brüssel; Dexia Bank; Ehrendoktorwürde RCA London; „Abitare il Tempo“ Verona; „Le mouvement des images“ Centre Pompidou
Lichtobjekte und Installationen im Inneren des Atomium in Brüssel; Lichtgestaltung für die Dexia Bank in Esch-Belval (Luxemburg). Ehrendoktorwürde des Royal College of Art in London sowie der Preis „Abitare il Tempo“ in Verona. Beteiligung an der Ausstellung „Le mouvement des images“ im Centre Georges Pompidou in Paris.
2007 – „Provoking Magic: Lighting of Ingo Maurer“, Cooper-Hewitt, New York; 75. Geburtstag
Große US-Retrospektive „Provoking Magic: Lighting of Ingo Maurer“ am Cooper-Hewitt National Design Museum in New York. Anlässlich seines 75. Geburtstags konzipiert das Team um Bernhard Dessecker das umfangreiche Buchprojekt „Ingo Maurer – Designing with Light / Gestalten mit Licht“ (Prestel Verlag, München/Berlin/London/New York, erschienen 2008, ISBN 978-3-7913-3829-3) mit Beiträgen von Paola Antonelli, Alessandro Mendini, Issey Miyake, Kim Hastreiter, Markus Allmann, Diane Hennebert, Chantal Hamaide, Thomas Edelmann, Lisa Zeitz und weiteren Autoren.
2008 – „Ingo, Piero e l'Uovo“, La Spezia; Kooperation mit Ron Arad („aR ingo“)
Einzelausstellung „Ingo, Piero e l'Uovo“ in der Fondazione Cassa Di Risparmio Della Spezia (Italien). Im gleichen Jahr entsteht in Zusammenarbeit mit Ron Arad das Lichtobjekt „aR ingo“.
2008/2009 – „Münchner Freiheit“, U-Bahn München
Für die U-Bahn-Station Münchner Freiheit entwickelt Ingo Maurer ein Licht- und Farbkonzept mit blauen Spiegel- und Stahlflächen sowie einer opulenten Deckenbeleuchtung; die neu gestaltete Station wird im Dezember 2009 wiedereröffnet.
2010 – Designpreis der Bundesrepublik Deutschland
Ingo Maurer wird mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet – der höchsten staatlichen deutschen Designauszeichnung.
2011 – „Marienplatz“ (mit Allmann Sattler Wappner); Compasso d'Oro alla Carriera
Ingo Maurer wird gemeinsam mit dem Architekturbüro Allmann Sattler Wappner mit der Neugestaltung der Zwischenebene und der Beleuchtung der U-Bahn-Station Marienplatz in München beauftragt. Im gleichen Jahr erhält er den italienischen Compasso d'Oro alla Carriera für sein Lebenswerk – eine der höchsten Auszeichnungen des internationalen Industriedesigns.
2019 – Tod Ingo Maurers
Am 21. Oktober 2019 stirbt Ingo Maurer im Alter von 87 Jahren in einem Münchner Krankenhaus. Zahlreiche internationale Nachrufe (u.a. The New York Times, Dezeen, Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel) würdigen ihn als den „Poeten des Lichts“.
2019/2020 – Retrospektive „Ingo Maurer intim. Design or What?“, Pinakothek der Moderne, München
Die Neue Sammlung – The Design Museum in der Pinakothek der Moderne widmet Ingo Maurer die umfangreiche Ausstellung „Ingo Maurer intim. Design or What?“.
Nach dem Tod des Gründers wird die Ingo Maurer GmbH vom bestehenden Team unter der gestalterischen Leitung von Axel Schmid weitergeführt. Katalogprogramm, Münchner Manufaktur und internationale Projekt- und Ausstellungsaktivitäten werden gepflegt und ausgebaut; die Marke bleibt eine unabhängige, in Familien- und Teamnachfolge geführte Manufaktur mit weltweitem Vertrieb.
Ingo Maurer wurde nicht ohne Grund als „Poet des Lichts“ bezeichnet: Seine Leuchten sind konzipiert als Bilder, Erzählungen und Miniatur-Bühnen und nicht als bloße Beleuchtungskörper. Prägende Merkmale sind:
Nahezu jedes Objekt trägt einen dezidiert erzählerischen Namen („Bulb“, „Lucellino“ – „das kleine Vögelchen“, „Porca Miseria!“, „Zettel'z“, „Wo bist Du, Edison, …?“). Die Namen sind Teil des Entwurfs und rücken die Leuchte in die Nachbarschaft von Kunstobjekt und Poesie.
Materialkanon: mundgeblasenes Kristall- und Glasglühlampenmaterial, Porzellan- und Keramikscherben, Aluminium- und Stahlblech, verchromtes Metall, Papier, Gänse- und andere Vogelfedern, Halogen- und LED-Leuchtmittel sowie hochfeine Metallseile und -drähte.
Formenrepertoire: figurative und narrative Motive (geflügelte Glühbirne, „explodierende“ Porzellanwolken, hängende Papierbögen), reduzierte industrielle Grundformen (Zylinder, Kugel, Aluminiumdome) und offene, seilbasierte Systeme, die den Raum nicht möblieren, sondern strukturieren.
Ingo Maurer arbeitet konsequent an der Grenze zur jeweils aktuellen Lichttechnologie – von den Niedervolt-Halogenrevolutionen der 1980er („YaYaHo“) über frühe LED-Objekte („Bellissima Brutta“ 1996, „EL.E.Dee“ 2001) bis zu OLED-Editionen ab 2006 und LED-Tischleuchten mit Akkubetrieb („Koyoo“).
Zentrale Objekte tragen die Handschrift von Ingo Maurer selbst oder namentlich benannter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (u.a. Bernhard Dessecker, Axel Schmid). Der überwiegende Teil des Programms wird in München von Hand gefertigt; Zulieferer sind über Jahrzehnte eingespielte, meist regionale Handwerksbetriebe.
Öffentliche Lichtinstallationen: Neben der Serie ist die installative, oft ortsspezifische Lichtgestaltung – für Museen, Hotels, Kirchen, U-Bahnhöfe, Firmensitze und Modenschauen – integraler Bestandteil des Werks.
Tischleuchten
„Bulb“ (1966): mundgeblasene Kristallglashülle über einer kleinen verchromten Glühbirne; erstes weltbekanntes Objekt, kurz nach Fertigstellung in die Sammlung des MoMA New York aufgenommen. „Lucellino“ (1989): geflügelte Glühbirne mit handgesetzten Gänsefedern auf einem gedrehten Metallhalter; als Tisch- und Wandleuchte in unterschiedlichen Ausführungen bis heute im Programm. „Zettel'z“ (1997): Kronleuchter/Pendelleuchte, deren Papierblätter individuell beschriftet werden können. „EL.E.Dee“ (2001): frühe LED-Tischleuchte. „Koyoo“: jüngere LED-Tischleuchte mit integriertem Akku aus der Werkstatt von Axel Schmid.
Steh-, Wand- und Deckenleuchten sowie Kronleuchter
„Porca Miseria!“ (1994): freischwebender Kronleuchter aus zersplittertem Porzellan und Besteckfragmenten; heute Sammlungsobjekt des MoMA New York. „Wo bist Du, Edison, …?“ (1997): Hologramm-Pendelleuchte mit dreidimensional projizierter Glühbirne, ebenfalls in internationalen Museumssammlungen. „Bellissima Brutta“ (1996): erstes LED-Lichtobjekt der Marke. Zahlreiche Wand- und Deckenleuchten aus den Bereichen „One from the Heart“, „Campari Light“, „Blushing Zettel'z“ sowie limitierte OLED-Editionen erweitern das Programm.
Zusatzkollektion „Luzon“ (1994–1997, Bernhard Dessecker für Alteco GmbH)
Parallel zur Ingo-Maurer-Kollektion entwickelte Bernhard Dessecker in den Jahren 1994–1997 die Leuchtenkollektion „Luzon“ für die Alteco GmbH – dokumentiert in der offiziellen Firmenmonografie.
Lichtsysteme
„YaYaHo“ (1984): Niedervolt-Halogen-Seilsystem mit frei positionierbaren Leuchtelementen zwischen zwei horizontal gespannten Metallseilen; Grundlage vieler öffentlicher Installationen und Ausgangspunkt zahlreicher weiterer Seilsysteme des Hauses. Weitere Niedervolt-System- und Schienenkonzepte ergänzen das Portfolio.
Installationen und Projekte (Auswahl)
U-Bahn-Stationen Westfriedhof (1998), Münchner Freiheit (2008/2009), Marienplatz (2011, mit Allmann Sattler Wappner) und Sendlinger Tor in München; Kruisherenhotel Maastricht (2003–2005); Atomium Brüssel (2006); Modenschauen Issey Miyake in Paris (u.a. 1999); Chanel-Ausstellung „Rêves des Diamantes“ (New York und Paris, 2002); Hotel Urthaler (Seiser Alm, 2003); Passage Hamburger Hof (Hamburg, 2000); SWB-Energie-Café (Bremen, 2000); Kulturzentrum Knokke-Heist (Belgien, 2002); Lichtsäulen Palais Grand-Ducal Luxemburg (1998); Dexia Bank Esch-Belval (Luxemburg, 2006); Les Archives du Monde du Travail Roubaix (1995); Vos Furniture Store Groningen (1996); Ausstellung „Magister Theodoricus“ Prag (1997); Ausstellungen und Installationen für Centre Pompidou, Villa Medici, Institut Français d'Architecture, Fondation Cartier (1989), Museum Villa Stuck (1992), Stedelijk Museum Amsterdam (1993), MoMA New York (1998, mit den Campana-Brüdern), Museum Santa Mònica Barcelona (2001), Museum für Angewandte Kunst Frankfurt (2002), Vitra Design Museum (2002–2007), Victoria & Albert Museum London (2004), Museu de Arte Brasileira São Paulo (2004), Centre Pompidou (2006), Cooper-Hewitt / Smithsonian Design Museum (2007), Fondazione Cassa Di Risparmio Della Spezia (2008) und Pinakothek der Moderne / Die Neue Sammlung (2019/2020).
Zielgruppen, Vertrieb und geistiges Eigentum
Ingo Maurer richtet sich seit den 1960er Jahren an ein internationales Publikum aus Architektur, Interior Design, Museen, Kulturinstitutionen, Hotellerie und Design-Sammlern. Der Vertrieb erfolgt weltweit über ein Netz autorisierter Fachhändler, den eigenen Onlineshop, den Münchner Showroom in der Kaiserstraße 47 sowie den Showroom in New York (die Buchmonografie widmet der New Yorker Präsenz ein eigenes Kapitel, „New York, New York“, von Kim Hastreiter, sowie ein Interview mit dem in New York ansässigen Studio MORSA von Donato Savoie und Antonio Morello). Die Marke ist an Museen wie dem Museum of Modern Art (New York), dem Cooper-Hewitt, Smithsonian Design Museum (New York), dem Vitra Design Museum (Weil am Rhein), Die Neue Sammlung / Pinakothek der Moderne (München), dem Museum Villa Stuck (München), dem Stedelijk Museum (Amsterdam), dem Philadelphia Museum of Art, dem Victoria & Albert Museum (London), dem Centre Pompidou (Paris) und der Fondation Cartier (Paris) mit Serien- und Sonderobjekten vertreten.
Der Markenname „Ingo Maurer“ ist geschützt; einzelne Modelle (u.a. „Bulb“, „Lucellino“, „YaYaHo“, „Zettel'z“, „Porca Miseria!“) sind in mehreren Ländern als geschmacks- und markenrechtlich relevante Autorenobjekte dokumentiert und werden ausschließlich autorisiert vertrieben.
Auszeichnungen und museale Präsenz
Ingo Maurer und die Ingo Maurer GmbH sind über Jahrzehnte hinweg mit den wichtigsten internationalen Design-Auszeichnungen bedacht worden. Zu den in der offiziellen Monografie (Prestel 2008) und in weiteren Quellen dokumentierten Ehrungen gehören:
1986 – Chevalier des Arts et des Lettres (verliehen durch den französischen Kulturminister).
1998 – Wahl zum „Designer des Jahres 1997“ durch die Zeitschrift „Architektur & Wohnen“.
1999 – Designpreis der Stadt München.
2000 – Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy Foundation (Deutschland).
2001 – „Primavera del Disseny 2000“ der Stadt Barcelona.
2002 – Collab's Design Excellence Award, Philadelphia Museum of Art.
2003 – Georg Jensen Prize 2002, Kopenhagen.
2003 – The Fourth Oribe Award, Design Academy Division, Gifu, Japan.
2005 – Royal Designer for Industry (Hon RDI), Royal Society of Arts, London.
2006 – Ehrendoktorwürde des Royal College of Art, London.
2006 – Preis „Abitare il Tempo“, Verona.
2010 – Designpreis der Bundesrepublik Deutschland (höchste staatliche deutsche Designauszeichnung).
2011 – Compasso d'Oro alla Carriera (Kategorie Lebenswerk), Italien.
Museale Präsenz (Auswahl): Museum of Modern Art (New York, u.a. „Bulb“ seit Ende der 1960er Jahre, „Porca Miseria!“, „Zettel'z“), Cooper-Hewitt, Smithsonian Design Museum (New York), Vitra Design Museum (Weil am Rhein), Die Neue Sammlung – The Design Museum in der Pinakothek der Moderne (München), Museum Villa Stuck (München), Stedelijk Museum (Amsterdam), Fondation Cartier pour l'Art Contemporain (Paris), Centre Pompidou (Paris), Victoria & Albert Museum (London), Philadelphia Museum of Art, Museu de Arte Brasileira São Paulo, Museum Santa Mònica Barcelona, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Fondazione Cassa Di Risparmio Della Spezia. Ingo Maurer setzte sich öffentlichkeitswirksam für den Erhalt der klassischen Glühlampe ein – bis hin zu dem (nicht erfolgreichen) Vorschlag, die Glühbirne zum Weltkulturerbe zu erklären.
Bedeutung für Sammler und Fachhandel
Ingo Maurer vereint zwei Erzählstränge, die für den Fachhandel und für Sammler gleichermaßen relevant sind: die kanonische Ikonographie des internationalen Autoren-Designs (Pop-Art, Postmoderne, digitale Lichtkunst) und die Ingenieurskunst einer bis heute in Deutschland fertigenden Manufaktur. Serienobjekte wie „Bulb“, „Lucellino“, „YaYaHo“, „Porca Miseria!“ und „Zettel'z“ gehören zu den weltweit meistgehandelten Autorenleuchten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vintage-Exemplare aus den 1960er bis 1990er Jahren – insbesondere frühe „Bulb“- und „YaYaHo“-Konfigurationen sowie limitierte Sonderobjekte – erzielen im internationalen Sammlerhandel regelmäßig deutliche Preisaufschläge und sind ein fester Bestandteil führender Design-Auktionen und Galerien.
Standorte im Überblick
Kaiserstraße 47, 80801 München-Schwabing (Deutschland): Firmensitz seit 1970, Sitz von Studio, Manufaktur, Verwaltung und – im ehemaligen Produktionsbereich – des einzigen europäischen Ingo-Maurer-Showrooms (Zugang aktuell nach Terminvereinbarung, insbesondere für Fach- und Architekturbesucher).
Produktions- und Logistikstandort am Münchner Stadtrand: seit 2005 zweiter Standort für Serienproduktion und Versand.
Ingo Maurer New York: Showroom in New York (Standort in Manhattan), der zweite Showroom der Marke weltweit; dokumentiert in der Monografie in den Kapiteln „New York, New York“ (Kim Hastreiter) und im Interview mit Studio MORSA (Donato Savoie & Antonio Morello).
Reichenau am Bodensee (Geburtsort Ingo Maurers, 1932): kein Firmensitz, aber wesentlicher biografischer Bezugspunkt und immer wieder Motiv in seinem Werk (Verhältnis von Wasser, Licht und Landschaft – vgl. das Buchkapitel „Zufall, Licht und Wasser“ von Marie-Claude Beaud und Bernhard Dessecker).