zum Hauptinhalt springen
Main Inhalt
5.00 1
Arteluce
Arteluce
  • Whatsapp Chat
  • per Whatsapp teilen

Arteluce – Italienischer Pionier des Leuchtendesigns (1939–1973)


Gründung und Standort
Arteluce wurde im Februar 1939 in Mailand von dem italienischen Designer und Unternehmer Gino Sarfatti gegründet. Sarfatti, geboren am 16. September 1912 in Venedig und gestorben am 6. März 1985 in Griante am Comer See, hatte ab 1930 zunächst Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Genua studiert. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage seiner Familie nach den Sanktionen des Völkerbundes gegen Italien (1935) brach er das Studium ab und übersiedelte 1935/36 nach Mailand. Dort gründete er 1936 zunächst mit Aldo Valcarenghi und Dino Mondolfi den Leuchtenhersteller Lumen, bevor er sich 1939 von seinen Partnern trennte und unter dem Namen „Arteluce Società Anonima A.L." ein eigenes Unternehmen ins Leben rief, dessen Generaldirektor er wurde.
Bereits 1939 eröffnete Sarfatti sein erstes Ladengeschäft im Mailänder Zentrum am Corso Littorio – heute Corso Matteotti –, das bis 1962 der Hauptstandort des Unternehmens blieb. 1953 ließ Sarfatti das Geschäft am Corso Matteotti 12 von dem Architekten Marco Zanuso vollständig umgestalten. Der Showroom entwickelte sich in der Folge zu einem internationalen kulturellen Treffpunkt für Architekten, Designer und Künstler wie Franco Albini, Lucio Fontana und Albe Steiner und wurde zur Adresse, an der die Mailänder Bourgeoisie ihre Wohnungen und Büros mit moderner Beleuchtung ausstattete.

Unternehmensphilosophie und gestalterischer Ansatz:
Gino Sarfatti verfolgte mit Arteluce von Beginn an eine konsequent funktionalistische und technologiegetriebene Designhaltung. Im Mittelpunkt seiner Entwürfe stand nicht der dekorative Lampenkörper, sondern die Lichtquelle selbst: die Glühbirne, später die Leuchtstoffröhre und schließlich die Halogen- und Niedervolttechnik. Dieser Ansatz – das Leuchtmittel und seine technische Wirkung in den Mittelpunkt zu stellen – machte Arteluce zu einem der wichtigsten Pioniere der modernen Leuchtenindustrie und prägte das italienische Lichtdesign der Nachkriegszeit. Über seine fünfunddreißigjährige Karriere entwarf Sarfatti mehr als 400 verschiedene Leuchten, in der Regel in Auflagen von wenigen Hundert Stück pro Modell.

Geschichte: Krieg, Wiederaufbau und Aufstieg:
1940 nahm Arteluce an der VII. Triennale di Milano teil und etablierte sich damit unmittelbar in den führenden Designkreisen Italiens. 1943 musste Gino Sarfatti aufgrund der faschistischen Rassengesetze – sein Vater Riccardo Sarfatti stammte aus einer jüdischen Familie – Mailand verlassen und floh mit seiner Familie in die Schweiz. In seiner Abwesenheit führte seine Buchhalterin und Sekretärin Pinuccia Azzaroni Bassani das Tagesgeschäft des Unternehmens weiter. 1946, unmittelbar nach der Befreiung, kehrte Sarfatti nach Mailand zurück und baute Arteluce in den folgenden Jahren systematisch zu einem der wichtigsten italienischen Leuchtenhersteller aus.
1951 waren neun Arteluce-Modelle auf der IX. Triennale di Milano vertreten. 1954 wurden die Modelle „1063" und „1065" auf der X. Triennale mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt Sarfatti für das Modell „559" den ersten ADI Compasso d'Oro, 1955 folgte ein zweiter Compasso d'Oro für das Modell „1055". In den 1960er Jahren expandierte das Unternehmen stark: Arteluce belieferte den nationalen und internationalen Wohnleuchtenmarkt und realisierte zugleich maßgeschneiderte Beleuchtungslösungen für öffentliche Bauten.

Verkauf an Flos und Ende der Marke Arteluce:
Ende 1973 verkaufte Gino Sarfatti das Unternehmen auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Erfolgs an den Mailänder Konkurrenten Flos. Sarfatti zog sich daraufhin an den Comer See zurück und widmete sich dort bis zu seinem Tod 1985 dem Sammeln und Handeln seltener Briefmarken. Nach der Übernahme führte Flos die Marke Arteluce zunächst als eigene Linie weiter, integrierte sie aber sukzessive in das eigene Portfolio. Heute werden zahlreiche historische Arteluce-Entwürfe von Sarfatti – darunter die Modelle „2097", „1063", „559", „600" und „607" – von Flos in einer eigens kuratierten „Re-Lighting Gino Sarfatti"-Edition wieder aufgelegt.
Designer und gestalterische Handschrift

Gino Sarfatti (1912–1985) – Gründer und Chefdesigner:
Gino Sarfatti gilt als einer der wichtigsten Pioniere des modernen Leuchtendesigns. Er entwarf für Arteluce über 400 unterschiedliche Modelle, in denen er konsequent technische Innovation, industrielle Fertigbarkeit und reduzierte Formensprache verband. Seine Modelle wie das Modell „559" (1954, Compasso d'Oro), „1055" (1955, Compasso d'Oro), die Stehleuchte „1063" (1954, ausgezeichnet auf der X. Triennale, heute in der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art in New York) und der Kronleuchter „2097" (1958) zählen zu den bedeutendsten Beiträgen der italienischen Designgeschichte. Der Kronleuchter „2097", oft als „Sputnik" bezeichnet, war von dem 1957 in den Orbit gestarteten ersten Erdsatelliten inspiriert und gilt als moderne Neuinterpretation der traditionellen Lüsterform.

Vittoriano Viganò (1919–1996):
Der Mailänder Architekt Vittoriano Viganò arbeitete von 1946 bis 1960 für Arteluce. Aus seiner Zusammenarbeit mit Sarfatti entstanden zahlreiche Wandleuchten, darunter das ikonische Modell „199", das mit seinem asymmetrisch klappbaren Schirm zu den ausdruckskräftigsten Wandleuchten der italienischen Nachkriegsmoderne zählt.

Franco Albini (1905–1977) und Franca Helg (1920–1989)
Der Mailänder Architekt Franco Albini gehörte zum engeren Freundeskreis Sarfattis und entwarf gemeinsam mit Franca Helg in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Leuchten für Arteluce. Albini war einer der wichtigsten Vertreter der italienischen Rationalismus-Tradition, Helg seine langjährige Bürokollegin und Mitgestalterin.

Massimo Vignelli (1931–2014)
Der in Mailand geborene und später vor allem in den USA tätige Designer Massimo Vignelli, Mitbegründer des Studios Vignelli Associates in New York, gestaltete in den 1950er und 1960er Jahren ebenfalls Leuchten für Arteluce, bevor er international vor allem durch sein grafisches Werk bekannt wurde.

Ico Parisi (1916–1996):
Der Architekt und Designer Ico Parisi, einer der wichtigsten Vertreter der Mailänder Moderne aus der Region Como, entwarf in den 1950er Jahren mehrere Leuchten für Arteluce und trug damit zur Verbindung von Architektur und industriellem Lichtdesign bei.
Weitere Designer (Auswahl)
Zu den weiteren Architekten und Designern, die im Zeitraum 1939–1973 Leuchten für Arteluce entwarfen, gehören unter anderem Sergio Asti, das Studio BBPR, Cini Boeri, Pieter De Bruyne, Gianfranco Frattini, das Trio Vittorio Gregotti / Lodovico Meneghetti / Giotto Stoppino, Edoardo Gellner, Vito Latis, Carlo Mollino, Antonio Macchi Cassia, Paolo Rizzatto sowie das Designerduo Santi & Boracchia. Auch der Künstler Lucio Fontana zählte zum engeren Kreis um den Mailänder Showroom am Corso Matteotti.

Ikonische Produkte und Meilensteine
1939: Gründung der Arteluce Società Anonima A.L. in Mailand und Eröffnung des ersten Showrooms am Corso Littorio. 1940: Teilnahme an der VII. Triennale di Milano. 1943–1946: Fluchtbedingte Unterbrechung der Tätigkeit Sarfattis; das Tagesgeschäft wird von Pinuccia Azzaroni Bassani geführt. 1951: Präsenz mit neun Modellen auf der IX. Triennale di Milano. 1953: Umgestaltung des Showrooms am Corso Matteotti 12 durch Marco Zanuso. 1954: Stehleuchte „1063" und Wandleuchte „1065" erhalten den Grand Prix der X. Triennale; das Modell „559" wird mit dem Compasso d'Oro ausgezeichnet. 1955: Compasso d'Oro für das Modell „1055". 1958: Markteinführung des Kronleuchters „2097", inspiriert vom ersten Sputnik-Satelliten (1957). 1962: Verlegung des Mailänder Geschäfts vom Corso Matteotti an einen neuen Standort. 1973: Verkauf von Arteluce an Flos. 1985: Tod Gino Sarfattis in Griante am Comer See. 2012: Erste umfassende italienische Sarfatti-Retrospektive im Triennale Design Museum in Mailand, kuratiert von Marco Romanelli und Sandra Severi Sarfatti; parallel dazu startet Flos die Edition „Re-Lighting Gino Sarfatti" mit Neuauflagen historischer Arteluce-Modelle.

Produktphilosophie und heutiges Profil:
Arteluce gilt – obwohl als eigenständige Marke nur 34 Jahre aktiv (1939–1973) – als eine der einflussreichsten Adressen des italienischen Leuchtendesigns des 20. Jahrhunderts. Das Unternehmen verband Industriedesign mit handwerklicher Fertigung und arbeitete eng mit den wichtigsten italienischen Architekten und Designern seiner Zeit zusammen. Original-Arteluce-Leuchten der Nachkriegsjahrzehnte sind heute begehrte Sammlerobjekte und werden auf Auktionen sowie in spezialisierten Galerien gehandelt. Modelle von Gino Sarfatti befinden sich in den ständigen Sammlungen bedeutender Museen, darunter das Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Viele Klassiker werden durch Flos im Rahmen der „Re-Lighting Gino Sarfatti"-Edition weiterhin produziert; daneben legt die Marke Astep ausgewählte Sarfatti-Entwürfe in Lizenz neu auf.

Quellen und Referenzen:
Deutschsprachige Quellen
• Wikipedia – Gino Sarfatti (DE)
• markanto.de – Designer Gino Sarfatti (1912–1984)
• baunetz interior|design – „Meister Lampe vom anderen Stern" (Story zu Sarfatti / Arteluce)
• 1stdibs.de – Arteluce: Biografie des*der Designer*in
Englischsprachige Quellen
• Casati Gallery – Arteluce: History and Original Lights
• Casati Gallery – Designer Gino Sarfatti
• Side Gallery – Gino Sarfatti (1912–1985)
• Side Gallery – „Gino Sarfatti: The Design of Light", Triennale Design Museum Milano 2012
• MoMA – Floor Lamp Model 1063 von Gino Sarfatti (1954)
• Flos – Designer Gino Sarfatti / Re-Lighting Sarfatti Edition
• Encyclopedia of Design – „Arteluce Italian Lighting Firm (1939)"
• Astep – Designers: Gino Sarfatti (Neuauflagen)
• Aesence – Gino Sarfatti: Pioneer of Modern Lighting Design
• Wallpaper* – „Full circuit: Flos and Astep turn the lights back on for Gino Sarfatti"
• Cool Hunting – „Re-lighting Gino Sarfatti Edition N°1 by Flos"
• Pamono – Stories: „Gino Sarfatti Back in the Spotlight"
• Galerie kreo – Gino Sarfatti
• Ameico – Design Story: Gino Sarfatti
• Royal Design – „Groundbreaking Italian design history: Gino Sarfatti"
• Modern Chandeliers – „Gino Sarfatti, the mastermind behind Arteluce"
• Soyun K. – Arteluce (1939–1973)
• Pamono – Arteluce Online Shop / Maker Profile
Italienischsprachige Quellen
• Wikipedia – Gino Sarfatti (IT)
• Galleria Michela Cattai – Gino Sarfatti
• Petrucci Marco – „I Grandi Maestri: Gino Sarfatti, un artista dell'illuminazione"
• La casa in ordine – „Icone di design – Gino Sarfatti"
• Capitolium Art – Arteluce: artwork value, appraisals and valuations
Französischsprachige Quellen
• Wikipédia – Gino Sarfatti (FR)
• Barnebys Magazine – „Gino Sarfatti, le designer radieux"
• Meubles et Lumières – Créateur: Arteluce
• Atelier 159 – Gino Sarfatti / Arteluce
• Galerie Alexandre Guillemain – Artefact Design: Gino Sarfatti
• Paul Bert Serpette – Fiche Gino Sarfatti
• 1stdibs France – Biographie et historique Arteluce
Spanischsprachige Quellen
• Experimenta – „Gino Sarfatti, la iluminación racional reeditada por Flos"
• Naharro – Diseñador Gino Sarfatti
• Select-Light Blog – „Gino Sarfatti Re-lighting Collection"

Quellen und Referenzen:
Deutschsprachige Quellen
• Wikipedia – Gino Sarfatti (DE)
• markanto.de – Designer Gino Sarfatti (1912–1984)
• baunetz interior|design – „Meister Lampe vom anderen Stern" (Story zu Sarfatti / Arteluce)
• 1stdibs.de – Arteluce: Biografie des*der Designer*in
Englischsprachige Quellen
• Casati Gallery – Arteluce: History and Original Lights
• Casati Gallery – Designer Gino Sarfatti
• Side Gallery – Gino Sarfatti (1912–1985)
• Side Gallery – „Gino Sarfatti: The Design of Light", Triennale Design Museum Milano 2012
• MoMA – Floor Lamp Model 1063 von Gino Sarfatti (1954)
• Flos – Designer Gino Sarfatti / Re-Lighting Sarfatti Edition
• Encyclopedia of Design – „Arteluce Italian Lighting Firm (1939)"
• Astep – Designers: Gino Sarfatti (Neuauflagen)
• Aesence – Gino Sarfatti: Pioneer of Modern Lighting Design
• Wallpaper* – „Full circuit: Flos and Astep turn the lights back on for Gino Sarfatti"
• Cool Hunting – „Re-lighting Gino Sarfatti Edition N°1 by Flos"
• Pamono – Stories: „Gino Sarfatti Back in the Spotlight"
• Galerie kreo – Gino Sarfatti
• Ameico – Design Story: Gino Sarfatti
• Royal Design – „Groundbreaking Italian design history: Gino Sarfatti"
• Modern Chandeliers – „Gino Sarfatti, the mastermind behind Arteluce"
• Soyun K. – Arteluce (1939–1973)
• Pamono – Arteluce Online Shop / Maker Profile
Italienischsprachige Quellen
• Wikipedia – Gino Sarfatti (IT)
• Galleria Michela Cattai – Gino Sarfatti
• Petrucci Marco – „I Grandi Maestri: Gino Sarfatti, un artista dell'illuminazione"
• La casa in ordine – „Icone di design – Gino Sarfatti"
• Capitolium Art – Arteluce: artwork value, appraisals and valuations
Französischsprachige Quellen
• Wikipédia – Gino Sarfatti (FR)
• Barnebys Magazine – „Gino Sarfatti, le designer radieux"
• Meubles et Lumières – Créateur: Arteluce
• Atelier 159 – Gino Sarfatti / Arteluce
• Galerie Alexandre Guillemain – Artefact Design: Gino Sarfatti
• Paul Bert Serpette – Fiche Gino Sarfatti
• 1stdibs France – Biographie et historique Arteluce
Spanischsprachige Quellen
• Experimenta – „Gino Sarfatti, la iluminación racional reeditada por Flos"
• Naharro – Diseñador Gino Sarfatti
• Select-Light Blog – „Gino Sarfatti Re-lighting Collection"

100%
WhatsApp Chat
Passwort eingeben
Abbrechen
Öffnen
Schließen
Warenkorb