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Böhlmarks
Line drawing of a Böhlmarks Swedish Grace chandelier, manufacturer portrait illustration, Stockholm, Sweden 1872
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Böhlmarks – Schwedischer Pionier des Leuchtendesigns (1872–1978)


Böhlmarks, offiziell Aktiebolaget Arvid Böhlmarks lampfabrik, wurde 1872 in Stockholm von Daniel Arvid Böhlmark gegründet, geboren am 10. April 1841 in der Gemeinde Järna, gestorben am 28. Juni 1897 in Stockholm. Zum beruflichen Werdegang Böhlmarks vor der Firmengründung finden sich in den Quellen zwei leicht voneinander abweichende Darstellungen: Nach der ausführlicheren, auf das schwedische Wikipedia-Personenlexikon zurückgehenden Version war er von 1859 bis 1863 als Buchhalter auf dem Gut Lickanå bruk in Värmland tätig, bevor er 1864 nach Stockholm zog und dort als Handelsagent für die Kerzenfabrik Liljeholmens Stearinfabrik arbeitete. Eine zweite, populärwissenschaftliche Quelle (mnytt.se) nennt stattdessen einen Umzug aus der Provinz Dalarna im Jahr 1865 und eine direkte Anstellung in der Kerzenfabrik selbst. In beiden Versionen stimmt jedoch der Kern überein: Weil der Absatz von Stearinkerzen durch die wachsende Beliebtheit von Petroleum zurückging, gründete Böhlmark 1872 ein eigenes Geschäft für den Verkauf von Petroleumlampen, das er zunächst importierte.
1886 erwarb er die Immobilie an der Högbergsgatan 21 im Stockholmer Stadtteil Södermalm und richtete dort eine der ersten Fabriken ihrer Art in Schweden für die eigene Herstellung von Petroleumlampen ein; die Fabrikanlagen wuchsen später auf die Adressen Högbergsgatan 19–25. Nach dem Erwerb von Pukebergs Glasbruk in Nybro (Småland) betrieb das Unternehmen dort zudem eine eigene Glashütte für Leuchtenschirme und Glasteile. Ein Verkaufsgeschäft unterhielt Böhlmarks am zentral gelegenen Norrmalmstorg in Stockholm.

Frühe Jahre: Von der Petroleumlampe zur Elektrizität
In den Anfangsjahren produzierte und importierte Böhlmarks vor allem Petroleumlampen – Hand-, Tisch-, Wand- und Hängelampen sowie Stallaternen – und Benzinlampen aus Blech, Zink und Messing. Daneben stellte die Fabrik zeitweise auch Petroleumkocher und Stahlrohrmöbel her, der Schwerpunkt blieb jedoch die Leuchtenproduktion. Mit wachsendem Geschäftserfolg investierte das Unternehmen zunehmend in eigene Maschinen zur Herstellung von Lampenteilen, richtete eine eigene Gießerei ein und erwarb das Glaswerk Pukebergs Glasbruk, um den steigenden Bedarf an Glasschirmen für elektrische Leuchten selbst decken zu können.
Arvid Böhlmark starb 1897. Die Lampenfabrik ging zunächst an seine Witwe Lina Böhlmark über, wurde in der Folge jedoch als Aktiebolaget Arvid Böhlmarks lampfabrik von einem Großhändler weitergeführt. Ab 1901 nahm Böhlmarks die Produktion elektrischer Hausleuchten auf und richtete das Unternehmen damit konsequent auf die neue Beleuchtungstechnik aus.
Harald Notini und die künstlerische Blütezeit (1916–1958)
Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1916, als der Bildhauer und Innenarchitekt Harald Notini als künstlerischer Leiter sowohl für die Stockholmer Fabrik als auch für die Glasproduktion in Pukeberg engagiert wurde. Unter Notinis Leitung entwickelte sich Böhlmarks zu einem der gestalterisch führenden Leuchtenhersteller Schwedens. Ein Großteil der älteren Kataloge hatte zuvor aus traditionellen Kronleuchtern und Nachbildungen historischer Stilrichtungen bestanden; Notini trieb stattdessen die Entwicklung eigenständiger, zeitgemäßer Leuchten voran.
Notinis gestalterisches Spektrum reichte vom eleganten „Swedish Grace“ der 1920er-Jahre über streng funktionalistische Leuchten, die 1930 auf der Stockholmer Ausstellung (Stockholmsutställningen) gezeigt wurden, bis hin zur bis heute geschätzten „Swedish-Modern“-Ästhetik der 1940er- und 1950er-Jahre mit Messingkörpern und Details aus Glas, Holz und Leder. Notini blieb Böhlmarks sein gesamtes Berufsleben treu und war laut einer Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen des Unternehmens (1947) noch bis zu seinem 79. Lebensjahr (1958) mit eigenem Büro und umfangreichen Aufgaben im Unternehmen aktiv.

Unternehmensgröße und Bedeutung:

Zwischen etwa 1920 und 1950 war Böhlmarks der größte schwedische Hersteller elektrischer Hausleuchten. Zum 75-jährigen Firmenjubiläum 1947 zählte das Unternehmen rund 250 Beschäftigte an den Standorten Stockholm und Nybro und galt weiterhin als größter Anbieter seiner Branche in Schweden.

Übernahme durch Ateljé Lyktan und Ende der Marke
1964 wurde die Fabrik in Stockholm geschlossen und die Produktion vollständig zum Glaswerk Pukebergs Glasbruk nach Nybro verlagert. 1965 wurde Böhlmarks von dem schwedischen Leuchtenhersteller Ateljé Lyktan übernommen; mehrere historische Böhlmarks-Modelle, darunter Gunnar Asplunds Deckenleuchte „6022“, wurden anschließend unter der Marke Ateljé Lyktan weiter aufgelegt. Als eigenständige Rechtsperson bestand das Unternehmen laut Nationalencyklopedin formal bis 1978.

Designer
Alice Nordin (1871–1948)
Die Stockholmer Bildhauerin Alice Nordin zählte zu den bedeutendsten Künstlerinnen Schwedens um die Jahrhundertwende und war 1911 die erste Frau, die im Konstnärshuset in Stockholm eine eigene Skulpturenausstellung zeigte. Von 1903 bis 1916 arbeitete sie mit Böhlmarks zusammen und entwarf rund ein Dutzend Leuchten im Jugendstil – Deckenarmaturen mit floralen Ornamenten sowie Tischlampen, deren Fuß von schlanken, menschlichen Figuren getragen wurde, mit poetischen Modellnamen wie „Livets träd“ (Baum des Lebens) oder „Natt och Morgon“ (Nacht und Morgen). Nordin war die einzige Designerin, der Böhlmarks erlaubte, ihre Leuchten zu signieren.






Harald Notini (1879–1959)
Harald Notini, Sohn des Bildhauers Axel Notini, hatte an der Högre konstindustriella skolan (der heutigen Konstfack) eine Ausbildung zum Bildhauer und Innenarchitekten absolviert. Von 1916 bis zu seinem Tod 1959 war er künstlerischer Leiter bei Böhlmarks und Pukebergs Glasbruk und prägte über vier Jahrzehnte das Erscheinungsbild der Marke – von der Swedish-Grace-Periode der 1920er-Jahre über den Funktionalismus der 1930er-Jahre bis zum Swedish Modern der Nachkriegszeit.

Gunnar Asplund (1885–1940)
Der Architekt Gunnar Asplund, einer der bedeutendsten Vertreter der schwedischen Moderne und Mitgestalter der Stockholmer Ausstellung von 1930, entwarf in den 1920er-Jahren für Böhlmarks unter anderem die streng reduzierte Deckenleuchte Modell „6022“, die auch nach der Übernahme durch Ateljé Lyktan bis in die 1950er-Jahre hinein produziert wurde.
Uno Westerberg (1914–1985)

Uno Westerberg,
ausgebildet in Innenarchitektur an der Konstfack in Stockholm, kam 1935 als Gestalter von Beleuchtungsglas zu Böhlmarks. Ab den 1960er-Jahren entwarf er zunehmend Decken-, Wand- und Tischleuchten für den Wohnbereich. Als Böhlmarks Mitte der 1970er-Jahre die Produktion von Beleuchtungsglas einstellte, wurde Westerberg künstlerischer Leiter von Pukebergs Glasbruk, wo er mit den Serien „Stratos“, „Ulla“ und „Korall“ weiterhin erfolgreich war.

Alf Wallander (1862–1914)
Der Stockholmer Maler und Kunsthandwerker Alf Wallander war ab 1895 mit der Porzellanmanufaktur Rörstrand verbunden, wo er ab 1896 mit Jugendstil-Keramik bekannt wurde und 1900 künstlerischer Leiter wurde; gemeinsam mit Gunnar G:son Wennerberg gilt er als einer der Pioniere des Jugendstils im schwedischen Kunsthandwerk. Schwedische Quellen (u. a. mandaric.se) führen ihn auch als einen der Gestalter auf, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für Böhlmarks tätig waren; welche konkreten Leuchtenmodelle auf ihn zurückgehen, ist in den ausgewerteten Quellen nicht näher dokumentiert.

Jerk Werkmäster (1896–1978)
Jerk Werkmäster aus Rättvik in Dalarna studierte an der Högre konstindustriella skolan in Stockholm (1916–1919) und an der Kungliga Akademien för de fria konsterna (1919–1922). Bekannt wurde er vor allem als künstlerischer Leiter der Keramikfabrik Nittsjö (1933–1967); daneben wird er in schwedischen Quellen auch als Designer für Arvid Böhlmarks lampfabrik genannt. Auch hier liegen zu den konkreten Böhlmarks-Entwürfen keine näheren Detailangaben vor.

Knut Hallgren
Knut Hallgren wird in mehreren schwedischen Quellen als einer der Designer geführt, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Leuchten und Wohnaccessoires für Böhlmarks entwarfen. Biografische Details oder konkrete Modellzuordnungen ließen sich dazu in den ausgewerteten Quellen nicht ermitteln.

Ikonische Produkte und Meilensteine:
1872: Gründung der Aktiebolaget Arvid Böhlmarks lampfabrik in Stockholm. 1886: Erwerb der Immobilie Högbergsgatan 21 in Stockholm und Aufbau einer eigenen Fabrik. 1897: Tod des Firmengründers Arvid Böhlmark; Weiterführung durch seine Witwe Lina Böhlmark und anschließend durch einen Großhändler. 1901: Beginn der Produktion elektrischer Hausleuchten. 1903–1916: Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Alice Nordin, die rund ein Dutzend Jugendstil-Leuchten für Böhlmarks entwirft. 1916: Harald Notini wird künstlerischer Leiter der Stockholmer Fabrik und der Glasproduktion in Pukeberg. Ca. 1920–1950: Böhlmarks ist Schwedens größter Hersteller elektrischer Hausleuchten. 1930: Notinis funktionalistische Leuchten werden auf der Stockholmer Ausstellung präsentiert. 1935: Uno Westerberg kommt als Glasdesigner zu Böhlmarks. 1947: 75-jähriges Firmenjubiläum mit rund 250 Beschäftigten in Stockholm und Nybro. 1958: Harald Notini beendet im Alter von 79 Jahren seine aktive Tätigkeit; er stirbt 1959. 1964: Schließung der Stockholmer Fabrik, Verlagerung der Produktion nach Pukebergs Glasbruk in Nybro. 1965: Übernahme durch Ateljé Lyktan. 1978: formales Ende der Böhlmarks als eigenständige Aktiengesellschaft.

Produktphilosophie und heutiges Profil:
Böhlmarks stand für die Verbindung industrieller Fertigung mit gestalterischem Anspruch: Vom Jugendstil über Swedish Grace und Funktionalismus bis zum Swedish Modern spiegeln die Leuchten des Unternehmens die zentralen Stilphasen des schwedischen Designs des 20. Jahrhunderts wider. Charakteristisch sind hochwertige Materialkombinationen aus Messing, Glas, Holz und Leder sowie die enge Zusammenarbeit mit namhaften Bildhauern, Innenarchitekten und Architekten. Historische Böhlmarks-Leuchten, insbesondere Entwürfe von Harald Notini, Alice Nordin und Gunnar Asplund, sind heute international gefragte Sammlerstücke und erzielen auf Auktionen – etwa bei Bukowskis in Stockholm – regelmäßig hohe Zuschlagspreise; einzelne Modellpaare von Notini wurden dort für mehrere Hunderttausend Kronen versteigert. Über die 1965 erfolgte Übernahme durch Ateljé Lyktan leben Teile des gestalterischen Erbes von Böhlmarks bis heute fort.



Quellen und Referenzen:
Schwedischsprachige Quellen
•       Nationalencyklopedin (NE.se) – „Böhlmarks lampfabrik“
•       Wikipedia (schwedisch) – „Arvid Böhlmark“ und „Arvid Böhlmarks lampfabrik“
•       mnytt.se – „Arvid Böhlmarks lampfabrik“
•       Svenskt kvinnobiografiskt lexikon (skbl.se) – „Alice Maria Nordin“
•       Bukowskis – Bukipedia: „Harald Notini“, „Alf Wallander“
•       Bukowskis – Auktionsergebnisse Arvid Böhlmarks Lampfabrik
•       Kalmar konstmuseum – Designarkivet: „Uno Westerberg“
•       mandaric.se – Designerprofil „Arvid Böhlmarks Lampfabrik“
Englischsprachige Quellen
•       Bloomberry – „Böhlmarks (1872–1944)“, Designerprofil
•       Bukowskis – Bukipedia (englische Fassung): „Harald Notini (1879–1959)“
•       1stDibs – Arvid Böhlmarks Lampfabrik, Objektbeschreibungen
•       Pamono – Böhlmarks, Herstellerseite

Stand 10.07.2026: Quellen in Schwedisch und Englisch ausgewertet

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