Artemide wurde 1959/1960 in Mailand vom italienischen Ingenieur Ernesto Gismondi (geboren am
25. Dezember 1931 in Sanremo, gestorben am 31. Dezember 2020) und dem Architekten und
Designer Sergio Mazza gegründet. Gismondi hatte 1957 sein Studium der Luft- und
Raumfahrttechnik am Politecnico di Milano abgeschlossen und 1959 an der Scuola Superiore di
Ingegneria Missilistica in Rom einen weiteren Abschluss in Raketentechnik erworben. Aus der
Studio Artemide S.a.s. entstand die heutige Artemide-Gruppe. Bereits 1959 entwarf Sergio Mazza
die erste Leuchte des jungen Unternehmens mit dem Namen „Alfa" aus Glas, Marmor und Metall.
1972 eröffnete Artemide sein erstes eigenes Produktionswerk in Pregnana Milanese bei Mailand,
in dem bis heute der Firmensitz und die zentrale Fertigung untergebracht sind. Heute verfügt die
Gruppe über Produktionsstandorte in Italien und Ungarn, eigene Glashütten sowie ein Forschungs-
und Entwicklungszentrum.
1996 formulierte Artemide unter Ernesto Gismondi und Carlotta de Bevilacqua den Leitgedanken
„The Human Light", der das Licht in den Dienst des Menschen, seines Wohlbefindens und seiner
Wahrnehmung stellt. Diese Philosophie ist bis heute prägend für die Produktentwicklung und wird
in der aktuellen Markenidentität als „Human & Responsible Light" fortgeführt.
Designer und Designhandschrift
Sergio Mazza – Mitbegründer und erster Designer:
Der Architekt Sergio Mazza entwarf 1959 die erste Artemide-Tischleuchte, die „Alfa". Sein Beitrag
prägte die Anfangszeit des Unternehmens mit einer Formensprache, die Materialien wie Glas,
Marmor und Metall mit industrieller Fertigung verband.
Der Mailänder Architekt und Designer Vico Magistretti entwarf 1967 für Artemide die Tischleuchte
„Eclisse" – eine kompakte, kugelförmige Leuchte aus lackiertem Metall, deren innerer drehbarer
Schirm eine stufenlose Modulation des Lichts erlaubt. Noch im selben Jahr wurde die „Eclisse" mit dem renommierten italienischen Designpreis Compasso d'Oro ausgezeichnet. Sie wird bis heute produziert und gilt mit weit über 500.000 verkauften Exemplaren als eines der erfolgreichsten Modelle der Marke.
Die quallenförmige Tischleuchte „Nesso" wurde vom Mailänder Architekten Giancarlo Mattioli
gemeinsam mit dem Kollektiv Gruppo Architetti Urbanisti Città Nuova entworfen. Sie ging aus dem 1965 von Artemide und der Editrice Domus ausgeschriebenen Designwettbewerb „Studio Artemide Domus di Milano" hervor und wurde 1967 in Serie produziert. „Nesso" war eine der ersten Leuchten aus spritzgegossenem ABS und gehört heute zur ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York.
Die schlauchförmige Leuchte „Boalum", 1970 von Livio Castiglioni und Gianfranco Frattini
entworfen, wurde vom Magazin Domus als „Schlange aus unendlichem Licht" beschrieben. Sie
besteht aus flexiblem, lichtdurchlässigem PVC mit verstärkten Harz-Endstücken, lässt sich in
Segmenten zu bis zu vier Einheiten koppeln und wurde von 1970 bis 1983 produziert. 1999 folgte
eine Überarbeitung; in der aktuellen Edition ist die klassische Glühbirne durch LED-Technik
ersetzt. Beide Designer waren Absolventen des Politecnico di Milano (Castiglioni 1936, Frattini
1953); Frattini hatte zuvor im Studio von Gio Ponti gearbeitet.
Der in München geborene und in Mailand lebende Industriedesigner Richard Sapper entwarf 1972
für Artemide die Schreibtischleuchte „Tizio". Sie war die erste in Serie gefertigte Leuchte mit
Halogen-Lichtquelle und wurde durch ihr ausbalanciertes Gelenkarmsystem ohne sichtbare
Stromkabel zum Symbol des italienischen Designs. 1979 erhielt die „Tizio" den Compasso d'Oro.
Michele De Lucchi (geb. 1951) und Giancarlo Fassina:
Die Gelenkarmleuchte „Tolomeo" wurde 1986 von Michele De Lucchi zusammen mit dem
Artemide-Ingenieur Giancarlo Fassina entworfen und 1987 in Serie eingeführt. De Lucchi griff die
traditionelle Bauart der Balance-Arm-Leuchte auf (Vorbild war unter anderem die „Naska Loris")
und verband sie mit eloxiertem Aluminium und moderner Fertigung. Eine zentrale technische
Neuerung Fassinas war der Austausch der Aluminium-Umlenkrollen durch Nylonrollen, wodurch
eine leise und geschmeidige Bewegung der Arme ermöglicht wurde. 1989 wurde die „Tolomeo" mit dem Compasso d'Oro ausgezeichnet. Heute werden im dafür spezialisierten Werk jährlich rund 500.000 Tolomeo-Leuchten gefertigt.
Ernesto Gismondi und Artemide unterstützten von Anfang an die 1980/81 in Mailand von Ettore
Sottsass gegründete Designgruppe Memphis. Artemide übernahm die Herstellung und den
Vertrieb der Memphis-Entwürfe. Die erste Memphis-Ausstellung fand am 18. und 19. September
1981 während des Salone del Mobile in der Galleria Arc '74 an der Via Manzoni in Mailand statt
und zeigte 55 Möbel, Leuchten und Keramikobjekte. Sottsass und seine jungen Mitarbeiter –
darunter Martine Bedin, Aldo Cibic, Michele De Lucchi, Matteo Thun und Marco Zanini –
veränderten damit nachhaltig die internationale Designdiskussion.
Für Artemide entwarf Enzo Mari 1965 in Zusammenarbeit mit Anna Castelli Ferrieri (Fasolis) die
Tischleuchte „Polluce" – ein frühes Beispiel für die enge Verbindung von Kunststoff und einer
intellektuell strengen italienischen Designsprache bei Artemide.
Eric Solé (geb. 1960 in Paris):
Der französische Designer Eric Solé studierte Architektur an der UP1 und gründete 1987 das
Studio Trax Design. Für Artemide entwarf er die Wandleuchte „Mesmeri" aus druckgegossenem
Aluminium, deren elliptische, asymmetrisch gekrümmte Form die Lichtquelle verbirgt und ein
weiches, indirektes Licht erzeugt.
Carlotta de Bevilacqua schloss 1983 ihr Architekturstudium am Politecnico di Milano ab. Ab Anfang der 1990er Jahre entwickelte sie für Artemide und Danese eine neue Generation von
LED-Leuchten, mit zahlreichen Patenten und Auszeichnungen. Sie ist die Ehefrau Ernesto
Gismondis und übernahm nach dessen Tod 2020 die Position der Präsidentin und CEO der
Artemide-Gruppe; zugleich ist sie Präsidentin von Danese Milano.
Der japanische Modedesigner Issey Miyake entwickelte gemeinsam mit dem Reality Lab Tokyo die
Leuchtenkollektion „IN-EI" für Artemide, die 2012 anlässlich der Milan Design Week (Salone del
Mobile) präsentiert wurde. Der Name „IN-EI" (■■) bedeutet auf Japanisch „Schatten,
Halbschatten, Nuance". Die faltbaren Leuchtenschirme werden aus einem einzigen Stück
recycelter PET-Textilfaser gefertigt, benötigen kein inneres Gerüst und reduzieren nach
Herstellerangaben den Energieverbrauch und die CO■-Emissionen in der Produktion um bis zu 40
Prozent gegenüber herkömmlichen Materialien. Die Kollektion umfasst unter anderem die Modelle „Mendori", „Minomushi" und „Tatsuno-Otoshigo".
Zu den zahlreichen weiteren Designern, die für Artemide gearbeitet haben oder arbeiten, gehören u. a. Gae Aulenti, Mario Botta, Hannes Wettstein (Stehleuchten-Serie „Metamorfosi“, ab 1996), Karim Rashid, Ross Lovegrove, Naoto Fukasawa, Herzog & de Meuron, Norman Foster, Zaha Hadid Architects, Mario Cucinella und Neil Poulton.
1959: Erste Artemide-Leuchte „Alfa“ von Sergio Mazza. 1965: Auslobung des Designwettbewerbs „Studio Artemide Domus di Milano“ gemeinsam mit Editrice Domus; Enzo Mari entwirft „Polluce“. 1967: „Eclisse“ von Vico Magistretti gewinnt den Compasso d’Oro; „Nesso“ von Giancarlo Mattioli/Gruppo Architetti Urbanisti Città Nuova geht in Serie. 1970: Markteinführung der „Boalum“ von Livio Castiglioni und Gianfranco Frattini. 1972: Eröffnung des Produktionswerks in Pregnana Milanese; „Tizio“ von Richard Sapper kommt auf den Markt. 1979: Compasso d’Oro für die „Tizio“. 1981: Erste Memphis-Ausstellung in der Galleria Arc ’74 in Mailand mit Produktion und Vertrieb durch Artemide. 1987: Markteinführung der „Tolomeo“ von Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina. 1989: Compasso d’Oro für die „Tolomeo“. 1995: Compasso d’Oro alla Carriera (Career Award) für Ernesto Gismondi. 1996: Formulierung der Leitidee „The Human Light“. 2012: Vorstellung der „IN-EI“-Kollektion von Issey Miyake während der Mailänder Designwoche. 2020: Tod des Firmengründers Ernesto Gismondi; Carlotta de Bevilacqua übernimmt Vorsitz und Geschäftsführung der Artemide Group.
Artemide entwickelt, gestaltet und produziert Innen- und Außenleuchten für Wohn-, Arbeits- und öffentliche Bereiche und gilt als einer der wichtigsten italienischen Leuchtenhersteller. Nach eigenen Angaben unterhält der Konzern fünf Produktionsstätten in Italien, Frankreich, Ungarn und Kanada sowie zwei eigene Glashütten und beschäftigt weltweit über 750 Mitarbeitende, davon rund 60 in Forschung und Entwicklung. Der Vertrieb erfolgt über 24 Tochtergesellschaften in 98 Ländern und mehr als 55 markeneigene Showrooms unter anderem in New York, London, Paris und Tokio (Artemide Japan K. K., Higashi-Azabu, Minato-ku). Klassiker wie „Alfa“, „Eclisse“, „Nesso“, „Boalum“, „Tizio“ und „Tolomeo“ werden bis heute weitergeführt und sind feste Bestandteile der internationalen Designgeschichte. Produkte des Unternehmens befinden sich in den ständigen Sammlungen bedeutender Museen, darunter das Museum of Modern Art (MoMA) und das Metropolitan Museum of Art in New York, das Victoria and Albert Museum in London und die Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom. Aktuelle Kollektionen entstehen in Zusammenarbeit mit internationalen Designern und Architekturbüros und führen die Tradition der Marke unter der Leitidee „The Human Light“ fort.
Deutschsprachige Quellen
• Artemide.com – Company / Identity (offizielle Unternehmensseite, DE)
• Artemide.com – History (offizielle Unternehmenschronik, DE)
• MyArtemide.de – „Design made in Italy: Ernesto Gismondi, der Gründer von Artemide“
• Designtolike.de – „Artemide: Italienischer Pionier des Lichtdesigns“
• AmbienteDirect Stylemag – „50 Jahre Tizio von Artemide“
• AW-Magazin – Designerlexikon Ernesto Gismondi
• German Design Council – Interview mit Carlotta de Bevilacqua
Englischsprachige Quellen
• Artemide.com – Company / Identity (offiziell, EN)
• Artemide.com – Awards (offizielle Auszeichnungsliste)
• Artemide.com – Designer Ernesto Gismondi (offiziell)
• Artemide.com – Designer Carlotta de Bevilacqua (offiziell)
• Artemide North America – About Us / History
• Wikipedia – Artemide (EN)
• Wikipedia – Ernesto Gismondi (EN)
• Wikipedia – Carlotta de Bevilacqua
• Wikipedia – Tizio (lamp)
• Dezeen – „Artemide founder Ernesto Gismondi dies at 89“ (02.01.2021)
• Domus – „Artemide’s masterpieces: eight icons of light design“
• Design Museum London – Memphis
• Encyclopedia of Design – „Artemide Italian Lighting Company“
• Lumens.com – „Artemide: Italian by Design“
• Archpaper – „Ernesto Gismondi, founder of Artemide, passes away at 89“
Italienischsprachige Quellen
• Wikipedia – Artemide (azienda) (IT)
• Artemide.com – Company / Identity (offiziell, IT)
• Artemide.com – Designer Giancarlo Mattioli (offiziell)
• ADI Design Museum – Eintrag Artemide
• Interni Magazine – „Scomparsa di Ernesto Gismondi“
• Atmosfera Mag – „Tolomeo Artemide lamp: history, design, and function“
• Atmosfera Mag – „The Tizio lamp by Richard Sapper for Artemide“
• Finestre sull’Arte – „The Tolomeo Lamp by Michele De Lucchi“
• Il Bello dell’Usato – „Lampada Nesso Artemide: Storia dell’Icona Pop del Design“
• Memphis Milano – History (offiziell)
Französischsprachige Quellen
• Artemide.com – Company / Identity (offiziell, FR)
• Asteri.fr – „Artemide : Histoire et succès d’une icône du design italien“
• Blog Nedgis – „Zoom sur un designer italien de renom : Ernesto Gismondi, créateur d’Artemide“
• Decoration-interieur.art – „Artemide, fabricant de lampes et luminaires design Made In Italy“
• Filière 3e – „Artemide: créer une lumière humaine et responsable“ (17.06.2025)
Spanischsprachige Quellen
• Artemide.com – Company / Identity (offiziell, ES)
• Artemide.com – History (offiziell, ES)
• The Best in Design – „Fallece Ernesto Gismondi, fundador y presidente de Artemide“
• Ilutop – „Ernesto Gismondi – Fundador de Artemide en 1960“
• The Light Report – „A closer look Artemide: en el corazón de la iluminación italiana“
• Hilite Peru – „Artemide: una marca italiana“
Portugiesischsprachige Quellen
• EfectoLED – Artemide (PT)
• Filigrana Interior Design – Artemide (PT)
Schwedischsprachige Quellen
• Nordiska Galleriet – Artemide belysning (SE)
• Växjö Elektriska – „Artemide designlampor – Tolomeo, Tizio & Eclisse“
• Länna Möbler – „Artemide – Ikonisk italiensk belysning för hem och offentlig miljö“
• Lampkultur.se – Varumärke Artemide
• NordicNest.se – Artemide
Dänischsprachige Quellen
• Juhls Bolighus – „Artemide Lamper – Ernesto Gismondi & Sergio Mazza“
• Lampegiganten.dk – „Artemide – Nå ud til stjernerne“
• Thorsen Møbler – Artemide designlamper
• Lampemesteren.dk – „Artemide – Spændende italiensk lampe design“
• Illums Bolighus – Artemide
Japanischsprachige Quellen
• Artemide Japan – Company (offiziell, JP)
• Artemide Japan – Startseite (offiziell, JP)
• Chikyu-no-Arukikata (地球の歩き方) – „ミラノ発、照明ブランドArtemide“
• Yasuyuki Hayama Blog – „[ミラノ観光 vol 7.] Artemide – イタリア照明ブランドの雄“
• YAMAGIWA OnlineStore – Artemide (JP)
• Miraph – Artemide Brand-Katalog (JP)
• Designboom – „Issey Miyake presents his IN-EI lighting collection for Artemide“
• Dezeen – „IN-EI by Issey Miyake for Artemide“ (06.06.2012)