Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik war zwischen 1872 und 1977 ein schwedischer Importeur und Hersteller von Beleuchtungsarmaturen mit Sitz in Stockholm. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählte das Unternehmen zu den führenden Herstellern dekorativer und technischer Leuchten in Skandinavien und war maßgeblich an der Entwicklung des schwedischen Leuchtendesigns beteiligt – vom Jugendstil über „Swedish Grace" und Funktionalismus bis zum „Swedish Modern" der Nachkriegszeit. Zur Firmengruppe gehörte auch das südschwedische Glaswerk Pukebergs Glasbruk in Nybro. Im Jahr 1947 – zum 75-jährigen Jubiläum – war Böhlmarks mit rund 250 Mitarbeitern das größte Beleuchtungsunternehmen Schwedens; 1965 wurde das Unternehmen von Ateljé Lyktan übernommen und 1977 endgültig aufgelöst.
Firmenname: Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik (ursprünglich Firma „Arvid Böhlmark")
Gründung des Handelsunternehmens: 1872, Stockholm, durch Daniel Arvid Böhlmark (1841–1897)Gründung des Lampenwerks: 7. April 1888 (Anmeldung des Lampfabrik-Betriebs bei der Überstatthalterschaft); Handelsregister-Eintragung 16. Mai 1888
Umwandlung in Aktiengesellschaft: Konstituierende Hauptversammlung am 28. Januar 1898
Firmensitz: Fabrik und Verwaltung: Högbergsgatan 19–25, Stockholm-Södermalm; Ausstellungsraum: Norrmalmstorg 4, Stockholm; Glaswerk: Pukebergs Glasbruk, südlich von Nybro (Småland)
Markenzeichen: Antike Öllampe unter einem Sonnenstrahlenkranz („strålsol"), verwendet seit 1886; vereinfachte Fassung ab 1908; im schwedischen Warenzeichenregister eingetragen 1914
Betriebsende: Stockholmer Fabrik 1964 geschlossen, Produktion nach Pukeberg verlagert; 1965 Übernahme durch Ateljé Lyktan; endgültige Auflösung 1977
Höchststand Belegschaft: ~250 Personen (Stockholm und Nybro, 1947)
Der Gründer Arvid Böhlmark (1841–1897)
Daniel Arvid Böhlmark wurde am 10. April 1841 auf dem Hof Emaus im Kirchspiel Järna in Dalarna geboren, etwa sieben schwedische Meilen westlich von Falun. Sein Großvater, Pehr Böhlmark (* 1782), war Kassier bei Stora Kopparberget in Bengtsarvet (Kopparbergs socken); sein Vater Daniel Anton Böhlmark (* 1807) legte 1825 das Landmesserexamen ab und war ab 1840 ordentlicher „kommissionslantmätare" (Kommissionsvermessungsingenieur). Der Name Böhlmark leitet sich vom Herkunftsort „Böle" in Hälsingland ab (Erik Andrén, „Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik 1872–1937", Stockholm 1937, S. 21–22).
Nach dem Schulbesuch in Sala arbeitete Arvid Böhlmark von 1859 bis 1863 als Werksbuchhalter am zum Uddeholm-Konzern gehörenden Eisenwerk Likanå bruk in Värmland, danach 1863/64 als Buchhalter am Sägewerk Korsnäs bei Falun. 1864/65 absolvierte er einen Handelskurs an J. F. Georgiis Handelsinstitut in Stockholm – dort lernte er auch Carl Schnell kennen, der später sein Geschäftspartner werden sollte (Andrén 1937, S. 22).
Am 6. Oktober 1865 zog Böhlmark endgültig nach Stockholm und trat als Buchhalter in „Herrar Hiertas und Gullbergs Stearinljusfabrik vid Barnängsgatan" ein, die von dem berühmten Industriellen und Aftonbladet-Gründer Lars Johan Hierta bereits 1838 zusammen mit dem Chemiker Johan Michaelson gegründet worden war (heute bekannt als Liljeholmens Stearinljusfabrik). Böhlmark blieb dort bis 1869. 1868 eröffnete er nebenbei eine kleine gemischte Warenhandlung an der Tjärhovsgatan 86 (Andrén 1937, S. 23).
1869 trat er in die Großhandelsfirma Carl Schnell & Co. am Kornhamnstorg 49 ein, die u. a. Petroleumkocher einer neuen, patentierten Konstruktion des Ingenieurs Carl Östlund (Böhlmarks Schwager) sowie einfache Petroleumlampen und Lederwaren führte. 1872 trennten sich die Partner: Carl Schnell behielt die Ledersparte, Böhlmark übernahm den Verkauf von Lampen und Petroleumkochern – der Geburtsstunde der eigentlichen Böhlmark-Firma (Andrén 1937, S. 24).
Am 28. April 1897 starb Arvid Böhlmark nach längerer Magenerkrankung in Stockholm. Er wurde auf dem Friedhof von Dalby im nördlichsten Värmland – der Heimatgemeinde seiner Ehefrau Karolina „Lina" Pollack, die er 1870 in Dalby geheiratet hatte – bestattet (Andrén 1937, S. 27–28). Die Ehe blieb kinderlos; Böhlmark nahm zwei Neffen, Klas und Edvard Östlund, zu sich, die später im Unternehmen wichtige Positionen einnahmen.
Historische Entwicklung
Nach der Trennung von Schnell mietete Böhlmark 1872 einen Büroraum an der Västerlånggatan 57. Bereits 1873 erweiterte er das Geschäft um den Detailverkauf; das erste Ladengeschäft eröffnete er am Stora Nygatan 36 mit der „Bodmamsell" Hilma Norström. 1874 erwarb er für 33.000 rdr riksmynt von der Spiegelfabrikantenwitwe Eva Sara Schnell die Liegenschaft im Kvarter Perseus mit Adresse Österlånggatan 28 und Zugang an der Baggensgatan 27 – dort wurden Ladengeschäft, Kontor, Lager und Wohnung untergebracht. 1875 verkaufte er die Immobilie an den Kachelofenmacher C. A. Pettersson weiter, blieb aber bis zum Frühjahr 1888 als Mieter (Andrén 1937, S. 29–30). Wichtigster Lieferant war zunächst die norwegische Firma Christiania Glasmagasin, die Halbfabrikate lieferte, die im eigenen Betrieb an der Österlånggatan 28 zusammengesetzt und lackiert wurden; komplette elegante Tischlampen wurden aus Deutschland importiert. Ab Ende der 1870er Jahre bezog Böhlmark Gussteile und Arme für Hängelampen von der Alteisenhütte Brevens Bruk in Närke (Privileg von 1676). Der Vertrieb wurde in den 1880er Jahren rasch ausgebaut mit Filialen am Regeringsgatan 45 (ab 1878, ab 1881 Nr. 40), Hötorget 8 (1881), Götgatan 3 (1885) und Norrtullsgatan 8 (1886). Ab Mitte der 1880er Jahre reisten mehrere Handlungsreisende quer durch Schweden (Andrén 1937, S. 31–33, 108).
Der Aufbau der eigenen Lampfabrik (1886–1897)
Am 26. Mai 1886 schloss Böhlmark einen Vorvertrag mit den Nachlassverwaltern der verstorbenen Carin Wallén über die Liegenschaft Högbergsgatan 21 (heute 21–25) auf Södermalm ab; am 1. Oktober 1886 wurde der Kauf zum Preis von 100.000 Kronen abgeschlossen. Die Zeichnungen für die neue Fabrik – datiert 19. Januar 1887 – wurden im Frühjahr 1887 von der Bauaufsicht genehmigt; im April 1888 zogen Kontor und Lager von der Österlånggatan an die neue Adresse (Andrén 1937, S. 35–36).
Am 7. April 1888 reichte Arvid Böhlmark bei der Überstatthalterschaft in Stockholm die Anzeige über den Betrieb einer Lampfabrik mit galvanischer Anstalt für Vernickelung, Verkupferung, Vermessingung usw. ein. Am 16. Mai 1888 erfolgte die Eintragung ins Handelsregister – erstmals unter dem Firmennamen „Arvid Böhlmark". Das Markenzeichen – eine antike Öllampe unter einem strahlenden Sonnenkranz – war bereits seit 1886 im Gebrauch (1908 in vereinfachter Form, im schwedischen Warenzeichenregister eingetragen 1914) (Andrén 1937, S. 39). Laut Fabrikbericht des schwedischen Kommerskollegiums von 1888 arbeitete die Fabrik mit einer Dampfmaschine von 6 PS, einer Exzenterpresse, drei Drehbänken, einer Dynamomaschine, zwei Schleif- und zwei Kratzmaschinen. Im Jahr darauf waren 21 Personen beschäftigt: ein Werkmeister, elf Fabrikarbeiter, acht Lehrlinge und eine „Dalkulla" (Frau aus Dalarna), die die bemalte Dekoration von Lampenschirmen, Kuppeln und Glasfüßen ausführte. Im Kontor arbeiteten drei Buchhalter und eine Sekretärin, im Lager sechs Arbeiter und ein Fahrer, in den Ladengeschäften fünf „Bodmamseller" – insgesamt 37 Personen, dazu Frau Lina Böhlmark als Kassiererin. Die Fabrik gliederte sich Anfang der 1890er Jahre in folgende Abteilungen: Druckerei, Metall- und Drehereiwerkstätten, Galvanisieranstalt und Schleiferei, Montierung, Lackierwerkstatt sowie Glasmalatelier (Andrén 1937, S. 39–41). Die neuen Zolltarife von 1888 und 1892 reduzierten den Import deutscher Lampen erheblich und stützten die inländische Produktion; die Jahre 1890/91 waren zudem allgemein von Hochkonjunktur geprägt. Klas Östlund, der 1891 zum Prokuristen aufgestiegen war, wurde am 1. April 1894 Teilhaber (25 % Anteil), was am 1. Dezember 1896 – fünf Monate vor Böhlmarks Tod – durch häradshövding Uno Oldenburg vertraglich fixiert wurde (Andrén 1937, S. 42–44). Bei Böhlmarks Tod am 28. April 1897 beschäftigte das Unternehmen etwa 70 Personen an der Stockholmer Fabrik einschließlich Kontor, Lager und Läden sowie annähernd hundert im Glaswerk Pukebergs Glasbruk (dazu unten mehr). Die Produkte wurden nicht nur in Schweden, sondern auch in den anderen nordischen Ländern verkauft; die Petroleumkocher wurden bis in den fernen Osten exportiert (Andrén 1937, S. 44).
Gemäß einem Testamentsnachtrag vom 1. Dezember 1896 wurde die Firma nach dem Tod des Gründers in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die konstituierende Hauptversammlung fand am 28. Januar 1898 im Kontor an der Högbergsgatan statt; Gründungsmitglieder waren die Witwe Lina Böhlmark, ihre Neffen Klas Enoch Östlund und Constantin Edvard Östlund, der Werksverwalter Karl August Löthner sowie der Notar Uno Oldenburg. Das Grundkapital wurde auf 520.000 Kronen festgesetzt, verteilt auf 520 Aktien à 1.000 Kronen (Lina Böhlmark 381, Klas Östlund 127, Edvard Östlund 10, Löthner 1, Oldenburg 1). Klas Östlund wurde zum verwaltenden Direktor mit einem Jahresgehalt von 5.000 Kronen ernannt (Andrén 1937, S. 45–46).
Der Aktiengesellschaftsstart war günstig: 1898/99 wurden 12 % bzw. 8 % Dividende gezahlt, der Umsatz erreichte 662.707 Kronen an der Stockholmer Fabrik und 206.070 Kronen am Glaswerk (Andrén 1937, S. 52). Im Frühjahr 1901 wurde Erik Löthner – Sohn von C. A. Löthner und Neffe der Witwe Böhlmark – als Werksleiter am Pukebergs Glasbruk eingestellt, das er fast dreißig Jahre lang bis zu seinem Tod im Januar 1930 leitete (Andrén 1937, S. 52).
Am 12. Januar 1901 beschloss der Vorstand, die Produktion auf elektrische Leuchten auszuweiten – nur wenige Monate nachdem der Stockholmer Stadtrat am 1. Juni 1900 den Bau eines städtischen Elektrizitätswerks für ganz Stockholm bewilligt hatte. Die Zahl der Glühlampen in Stockholm stieg zwischen 1892 und 1902 von etwa 4.000 (17 % Marktanteil) auf 95.000 (65 %). 1904 musste der Ausstellungsladen am Norrmalmstorg (seit 1892 gemietet, seit 1892 eigenes Geschäft) erweitert werden, um auch die elektrischen Armaturen aufzunehmen (Andrén 1937, S. 53, 97–98). Am 19. September 1902 trat Böhlmarks unter den ersten fünfzig Mitgliedern der frisch gegründeten Sveriges Arbetsgivarförening bei. Im Dezember 1903 wurde die 60-PS-Dampfmaschine der Fabrik durch ein eigenes Elektrizitätswerk ersetzt (Investitionssumme rund 25.000 Kronen). 1905 wurde – nach Zeichnungen des Architekturbüros Hagström & Ekman – der Bau eines neuen Fabrikflügels an der Södergrenze des Grundstücks aufgenommen; ein verputzter Ziegelbau in fünf Stockwerken plus Dachboden. Bei der Hauptversammlung 1907 wurden 180 neue Aktien à 1.200 Kronen ausgegeben, wodurch das Aktienkapital auf 700.000 Kronen anstieg; der Gesamtumsatz lag bei 1.343.847 Kronen (Andrén 1937, S. 54–55). Im Oktober 1912 beschloss der Vorstand eine erneute Erweiterung der Fabrik; gleichzeitig wurde die angrenzende Liegenschaft an der Ecke Högbergs-/Östgötagatan erworben, in deren Erdgeschoss ein Eckgeschäft für den Verkauf der bolagsarmatur eingerichtet wurde. 1913 wurde für einen Großauftrag nach England eine neue Glashütte in Pukeberg für rund 70.000 Kronen errichtet. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 3. August 1914 führte wegen Kohlemangels zunächst zum kurzen Stillstand der Stockholmer Fabrik; die alte Dampfmaschine in Pukeberg wurde durch einen Dieselmotor ersetzt. Da die deutschen Exporte ausblieben, nahm Böhlmarks die Herstellung von Installationsmaterial auf (Porzellanteile von Rörstrand, Lampenfassungen, Steckdosen, Schalter, Isolierbügel); nach Kriegsende wurde diese Produktion wieder eingestellt (Andrén 1937, S. 56–57).
Am 1. März 1918 wurde der Zivilingenieur Evert A:son Eworth (* Stockholm 13. Mai 1884) als Direktorenassistent eingestellt. 1920 hatte das Aktienkapital 1,5 Millionen Kronen erreicht. Nach der schweren Nachkriegskrise – im Rechnungsjahr 1921 wies das Unternehmen erstmals einen Verlust aus – starb Klas Östlund am 5. Februar 1922 (Andrén 1937, S. 57–58, 61).
Evert A:son Eworth (Techn. Hochschule Stockholm 1903–1907, Praktika in Deutschland, ab 1910 Ludvigsbergs Verkstäder, 1915 Direktorenassistent bei Kuntze & Co., 1917 Mitbegründer und Ombudsmann der Sveriges Metallmanufakturförening) übernahm 1922 die Leitung der Firma. Unter ihm wurde das Vertriebsnetz nach dem Kontinent, in die USA und nach Australien ausgebaut; die schwierigen Anpassungen der 1920er Jahre schlug er mit Lohnreduktionen und Kostensenkungen (Andrén 1937, S. 61, 64). Zur Zeit der Firmenchronik (1937) beliefen sich die Umsatzzahlen auf rund 500.000 Kronen in Stockholm und 562.000 Kronen im Glaswerk Pukeberg. Zum 75. Jubiläum 1947 war Böhlmarks mit rund 250 Beschäftigten in Stockholm und Nybro das größte schwedische Beleuchtungsunternehmen seiner Kategorie. Die Werkfotos aus der Chronik zeigen sechs Fabrikabteilungen: Galvanisierung, Schleiferei, Metallwerkstatt, Montage, Druckerei und Dreherei.
In den 1960er Jahren konnte sich die traditionsreiche Stockholmer Produktion nicht mehr behaupten. 1964 wurde die Stockholmer Fabrik geschlossen und die Produktion vollständig nach Pukeberg verlagert. 1965 übernahm der Konkurrent Ateljé Lyktan aus Åhus das Unternehmen; mehrere Modelle wurden anschließend unter der Marke Ateljé Lyktan weitergeführt. 1977 stellte Böhlmarks endgültig den Betrieb ein.
Pukebergs Glasbruk – das Konzernglaswerk
Ab 1879 spezialisierte sich das südschwedische Glaswerk Pukebergs Glasbruk – südlich von Nybro in Småland – auf Beleuchtungsglas für Petroleumlampen und wurde bald zu einem der wichtigsten Lieferanten der Böhlmark-Firma an der Österlånggatan. Bereits zu Arvid Böhlmarks Lebzeiten hielt er die Aktienmehrheit an Pukebergs Glasbruk (dokumentiert durch eine Anekdote mit Uno Oldenburg als Revisor – Andrén 1937, S. 26). Nach der Aktiengesellschaftsgründung wurde das Glaswerk vollständig in die Böhlmark-Gruppe integriert. Von 1901 bis 1930 leitete Erik Löthner das Werk, das zum wichtigsten Lieferanten für Lampenschirme, Kuppeln und Kristallpartien wurde und bis heute als Marke (Pukeberg) fortbesteht (Andrén 1937, S. 52).
Alice Nordin – Bildhauerin; entwarf u. a. eine Deckenkrone, die bis 1928 im Katalog geführt wurde (Andrén 1937, S. 99).
● Alf Wallander (1862–1914) – Maler und einer der wichtigsten schwedischen Jugendstil-Designer.
● Jerk Werkmäster (1896–1978) – schwedischer Maler und Grafiker.
● Elis Bergh (1881–1954) – künstlerischer Leiter 1906–1916; wechselte später zum Glaswerk Kosta, wo er einer der bedeutendsten schwedischen Glasdesigner der Zwischenkriegszeit wurde.
● Harald Elof Notini (1879–1959) – künstlerischer Leiter seit 1916 sowohl für die Stockholmer Fabrik als auch für das Glaswerk Pukebergs Glasbruk; Sohn des Bildhauers Axel Notini, ausgebildet an der Högre konstindustriella skolan (heute Konstfack) als Bildhauer und Innenarchitekt. Notini prägte die Formensprache der Marke vom „Swedish Grace" der 1920er Jahre über die strengen funktionalistischen Leuchten der Stockholmsutställningen 1930 bis zum „Swedish Modern" der 1940er/50er Jahre mit Messinggehäusen und Details in Glas, Holz und Leder. Er blieb bis 1958 (im Alter von 79 Jahren) in der Firma tätig. Notini wirkte an der Auswahl der in Andréns Firmenchronik von 1937 abgebildeten elektrischen Armaturen mit (Andrén 1937, S. 7 – Vorwort).
● Erik Gunnar Asplund (1885–1940) – einer der bedeutendsten schwedischen Architekten des 20. Jahrhunderts. Entwarf 1922 eine „verblüffend moderne" Deckenlampe für Direktbeleuchtung eines Tisches (Andrén 1937, S. 104); die ikonische halbkugelförmige „Swedish-Grace"-Deckenleuchte Modell „6022" wurde 1920 auf der Verkstaden-Ausstellung präsentiert und wurde bis in die 1950er Jahre produziert.
● Uno Westerberg (1899–1978) – ab 1935 als Designer für Beleuchtungsglas eingestellt; eine gemeinsam mit Notini gestaltete Leuchte befindet sich in der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA), New York.
● Bo Notini (1916–1997) – Sohn Harald Notinis, arbeitete für die Firma.
● Knut Hallgren – weiterer Designer.
● Henning Petri (Silberschmied, spätes 17. Jh.) – Vorbild für die Kupferkerzenständer von 1918 (Andrén 1937, S. 103).
● Emilie Gallé (Nancy, Frankreich) – die Gallé-Überfangglas-Technik inspirierte 1909 ein Modell mit einer Lampe im Sockel (Andrén 1937, S. 100).
Produktion und Produkte
Die Produktion umfasste – chronologisch – Petroleumlampen (Fotogenlampor), Petroleumkocher (Fotogenkök, konstruiert von Böhlmarks Schwager Carl Östlund, bereits im Katalog 1868 der Firma Schnell & Co.), ab 1901 elektrische Armaturen (Kronleuchter, Wand-, Tisch- und Stehleuchten) und ab 1917 elektrisches Installationsmaterial (Fassungen, Schalter, Stecker – Rörstrand lieferte die Porzellanteile). Die ersten priskuranter (Preiskurante) und „mönsterböcker" (Musterbücher) der Firma sind zentrale Quellen der Beleuchtungsgeschichte Schwedens (Andrén 1937, S. 77 ff.). Charakteristisch für die elektrischen Leuchten waren – neben der Anfangsphase, die formal noch an Petroleumlampen anknüpfte (Andrén 1937, S. 98) – Schirme aus „benglas" (Knochenglas), „irisglas" (durch Säurebehandlung schillerndem Glas) oder „celadonglas" (Glas mit celadongrünem Überfang), Seidenschirme mit Perlfransen; gegossene Messingkronen (Jugendstil), ab ca. 1910 geschmiedete Eisenkronen im rustikalen Stil, ab 1914 getriebene Kupferkronen mit Seidenschirmen in Orange oder Rot (Andrén 1937, S. 99–102).
Böhlmarks unterhielt zeitweise gleichzeitig bis zu sechs Ladengeschäfte in Stockholm sowie eine Filiale in Malmö (1911–1923, zunächst Södra Förstadsgatan, später Stortorget). Andrén (1937, S. 110) gibt folgende Übersicht:
● Stora Nygatan 36 (1873–1897) → Stora Nygatan 33 (1897–1923)
● Regeringsgatan 45 (1878–1881) → Regeringsgatan 40 (1881–1892)
● Hötorget 8 (1881–1913)
● Götgatan 3 (1885–1907)
● Norrtullsgatan 8 (1886–1895)
● Högbergsgatan 25 (1889–1912) → Högbergsgatan 19 (1912–bei Andrén 1937 „nu")
● Norrmalmstorg 4 – der Hauptausstellungsladen und Flaggschiff-Store, eröffnet 1892, 1904 erweitert für elektrische Armaturen (bis heute historisch bedeutsam)
● Kurzlebige Zusatzläden: Högbergsgatan 30 (1911–1912) für Grætzlampen (deutsche Metallfadenlampen, für die Böhlmarks das Alleinrecht in Schweden hielt) und Kungsgatan 48 (1911–1912)
Ausstellungsbeteiligungen
Zwischen 1894 und 1930 war das Unternehmen auf folgenden Ausstellungen vertreten (Andrén 1937, S. 109):
● Antwerpen 1894 · Lübeck 1895 · Malmö 1896 · Stockholm 1897 · Brüssel 1897 · Gävle 1901 · Hälsingborg 1903 · Norrköping 1906 · Stockholm 1909 · Baltiska utställningen (Malmö) 1914 · Göteborg (Jubiläumsausstellung) 1923 · Paris 1924 · Jönköping 1928 · Stockholmsutställningen 1930 (funktionalistischer Durchbruch)
Vorstand und leitende Persönlichkeiten
● Daniel Arvid Böhlmark (1841–1897) – Gründer, Firmeninhaber 1872–1897.
● Karolina „Lina" Böhlmark, geb. Pollack – Witwe, ab 1898 Hauptaktionärin.
● Klas Enoch Östlund (Neffe des Gründers) – Prokurist ab 1891, Teilhaber ab 1894, Verwaltender Direktor 1898–1922 († 5. Februar 1922).
● Constantin Edvard Östlund (Bruder von Klas Östlund) – im Betrieb seit Fabriksgründung; Aktionär ab 1898.
● Notarius publicus Uno Oldenburg – Vorsitzender des Vorstands ab 1898.
● Brukspatron Carl August Löthner – Vorstandsmitglied 1898–1926.
● Erik Löthner (Sohn von C. A. Löthner) – Werkleiter Pukebergs Glasbruk 1901–1930.
● Zivilingenieur Evert A:son Eworth (* Stockholm 13. Mai 1884) – ab 1. März 1918 Direktorenassistent, ab Mai 1922 Verwaltender Direktor.
● Disponent J. Kempe – Vorstandsmitglied ab 1928.
● Erik Andrén, „Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik 1872–1937", Stockholm 1937 – die vom Unternehmen selbst herausgegebene Firmenchronik (204 S. + Tafeln). Alle mit Seitenzahl belegten Angaben oben stammen aus diesem Band. Konsultiert wurden insbesondere die Kapitel „Arvid Böhlmark" (S. 21–28), „Lampaffären 1872–1888" (S. 29–34), „Den äldsta fabriken 1888–1897" (S. 35–44), „Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik" (S. 45–64), „Fotogenlampor" (S. 77 ff.), „Elektrisk armatur" (S. 97–106), „Butiker och resande" (S. 107–110), „Högbergsgatan 19–25" (S. 111 ff.), „Bilagor" (S. 123 ff.) sowie das Literaturverzeichnis „Litteratur" (S. 142).
Ergänzende Online-Quellen (für die Zeit nach 1937 sowie ergänzende Designerangaben):
● „Arvid Böhlmarks lampfabrik", Artikel in der schwedischen Wikipedia: https://sv.wikipedia.org/wiki/Arvid_B%C3%B6hlmarks_lampfabrik
● Bukowskis Bukipedia, Eintrag „Harald Notini": https://www.bukowskis.com/en/bukipedia/29947-harald-notini
● Bloomberry, „Böhlmarks": https://bloomberry.eu/designers/b%C3%B6hlmarks
● Modernity Stockholm, Herstellerprofil „Böhlmarks": https://www.modernity.se/
● 1stDibs, Herstellerprofil „Arvid Böhlmarks Lampfabrik": https://www.1stdibs.com/creators/arvid-bohlmarks-lampfabrik/furniture/
● MANDARIĆ, Designerprofil: https://www.mandaric.se/designer/arvid-bohlmarks-lampfabrik
● Stockholmskällan, „Priskurant från Arvid Böhlmarks Lampfabrik": https://stockholmskallan.stockholm.se/post/33509
Vom Autor Erik Andrén 1937 zusätzlich zitierte Literatur (S. 142):
● Arthur Montgomery, „Industrialismens genombrott i Sverige", Stockholm 1931.
● Martin Jansson, „Det svenska näringslivets utveckling under åren 1859–1929", in „Sveriges handelskalenders jubileumsupplaga" 1929.
● Erik Hylander, „Några drag ur svenska industrins utveckling sedan 1859", ebd. 1929.
● Gunnar Andersson, „Kraft och kultur. Kol, petroleum, vattenkraft och vind i människans tjänst", Stockholm 1920.
● Fritz Pachtner, „Weltmacht Erdöl", Stuttgart 1929.
● Jul. Schovelin, „Det Danske Petroleums-Aktieselskab 1889–1914", Kopenhagen 1914.
● (H. A. Ring), „Sveriges industri, dess stormän och befrämjare", Bd. II, Stockholm 1896.
● „Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik", in „Svenska industriella verk och anläggningar", 1927.
● „A.-B. Arvid Böhlmarks Lampfabrik", in „Sweden to-day, a survey of Swedish industries", Stockholm 1930.
● „Aktiebolaget Arvid Böhlmarks Lampfabrik. Pukebergs Glasbruk", in „Glas och porslin", 1930.
● Art. „Lampe", in J. G. Krünitz, „Ökonomisch-technologische Encyklopädie" (1793).
● Art. „Lamps", in Th. Webster, „Encyclopædia of Domestic Economy", London 1844.
● Fredrik B. Wallem, „Lys og lysstel i norske kirker og hjem", Kristiania 1907.
● Carl Lagerberg, „Till belysningsredskapens historia", in „Göteborgs museums årstryck" 1910.
● Sune Ambrosiani, „Nordiska museets vägledningar. Afdelningen för eldens ekonomiska användning", Stockholm 1911.
● Walter Hough, „Collection of heating and lighting utensils in the United States National Museum", Washington 1928.
● „Stockholms belysning", 2. Aufl., Stockholm 1903.
Stand der Recherche: 18. Juli 2026. Fassung basiert auf der vollständigen Auswertung der Firmenchronik von Erik Andrén (Stockholm 1937), ergänzt um Online-Quellen für die Nachkriegsgeschichte und einzelne Designerangaben.